Mischlingshündin Lulu von Lesbos

Lulu von Lesbos


Lulu, geboren am 05.11.2017 auf der griechischen Insel Lesbos, kam im August 2018 über Umwege zu uns. Sie wurde vom Verein Tierfreunde Lesbos e.V. zu Agas Schwester nach Köln-Deuz vermittelt. Zu deren großem Bedauern stellte sich heraus, dass Lulu (zuerst Lania, dann Luna, jetzt Lulu) kaum der geeignete Hund für eine Zweizimmeretagenwohnung in der Stadt ist. Daher haben wir sie übernommen. Selbst hier, mit viel Auslauf, noch mehr Gegend und zwei Berner Sennenhunden im Haushalt und viel Hundesachverstand ist sie gelinde gesagt schwierig. Sie hat viel Temperament, ist eigensinnig bis zum Exzess, intelligent und ständig auf Speed. Dazu kommt noch eine, zumindest jetzt in ihrem Alter, sehr begrenzte Aufmerksamkeitsspanne, was das Arbeiten mit ihr nicht gerade erleichtert. Andererseits ist sie süß, verschmust und anschmiegsam. Also derzeit ein Hund der besonderen Gegensätze.

Was an Rassen hier alles vereinigt ist, wissen wir nicht. Am nächsten kommt ihr der Berger de Pyrénées, sowohl vom Aussehen als auch vom Verhalten her. Dabei zeigt sie zwar das typische Hüte- und Treibverhalten mit allem, was so dazugehört (von hinten stoßen, schieben und leichtes Schnappen, wenn man nicht in ihrer Richtung will), das aber ist gepaart mit einem wirklich extremen Jagdtrieb. Im Wald ist sie kaum zu bändigen und von Arbeiten mit ihr ist keine Rede mehr. Sie geht jeder Spur nach und wenn ein Reh vor ihr aufspringt, geht sie sofort und ohne das geringste Zögern hinterher. Wenn es kein Reh ist, tut es auch eine tief fliegende Schwalbe oder was sich sonst so bewegt. Also geht ohne Schleppleine nichts. Schon zwei Mal hat sie es geschafft, in das Hühnergehege zu kommen und es war jedes Mal schwierig, den Hahn oder das Huhn wieder aus ihren Zähnen zu befreien. Wenigstens weiß sie (noch) nicht, wie man die Beute zur Strecke bringt, so dass bis auf den Verlust von Federn zum Glück nichts passiert ist. Auf der anderen Seite spielt sie gerne und wie es sich für gut sozialisierte Hunde gehört, schön und friedlich mit Artgenossen.

Lulu hält uns also ganz schön auf Trab und ist eine ganz andere Marke als ein Berner Sennenhund. Man sagt, dass man an seinen Aufgaben wächst. Nun denn...

Hier sieht man, was Langeweile und ein Hundebett ergeben.
Kleines Update von Ende Oktober 2018: Auch wenn Lulu immer noch stur ist und jeder noch so kleinen Fährte nachrennt, können wir sie inzwischen unter bestimmten Umständen frei laufen lassen. Die bestimmten Umstände bedeuten, dass wir nicht im Wald sein dürfen. Denn da gibt es so viel zu entdecken, dass alles andere völlig vergessen wird. Ansonsten ist ihr Aktionsradius ziemlich groß; sie passt aber immerhin auf, dass sie nicht verloren geht. Und wenn sie gerufen wird, kommt sie. Und das in einem Tempo, dass wir von unseren Bernern wahrlich nicht gewohnt sind. Durch ihren Freilauf ist sie auch deutlich mehr ausgepowert und auch durch die damit verbundene Nasenarbeit ausgeglichener als vorher, so dass Lulu jetzt zu Hause ganz angenehm ist. Nur unseren Garten gestaltet sie immer noch gerne um. Und sie knabbert alles an, was aus Holz ist. Zu unserem Glück aber nur draußen, wo es Bäume, Sträucher und ... Brennholz gibt.

Ach ja... Jogger sind noch ein Problem. Da kommt der Hütehund zum Vorschein. Im Nebel kam uns ein Jogger entgegen, alle drei Hunde waren bei mir unter Kontrolle, aber nicht angeleint. Als der Jogger vorbei war und ich meine Aufmerksamkeit wieder heruntergefahren hatte, sprintete Lulu hinter, mit der Nase direkt in die Beine. Das ist zwar nicht aggressiv im engeren Sinne, weil sie weder schnappt noch beißt, geht aber natürlich gar nicht. Zumal sich der arme Jogger, der ja nichts ahnte, nicht nur erschrocken hat, sondern auch aus dem Gleichgewicht geraten und fast gefallen ist. Das kannte ich von meinen Bernern nicht, weshalb ich mir das auch selber an den Hut stecken muss. Ich hätte Lulu intensiver und vor allem länger im S
itz halten müssen. Tja, Bei der Hundeerziehung müssen nun einmal nicht nur die Hunde erzogen werden.

(c) 2018 Gregor Jonas
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