Einführung von Girogo durch die Kreissparkasse Euskirchen

vermutlich stellvertretend für alle Sparkassen

Bedenken gegen die Sicherheit, die Art der Einführung und die Frage der Haftung


Zur Einführung:
Im Oktober 2017 wurde meiner Frau turnusmäßig eine neue SparkassenCard zugestellt. Also das Ding, mit dem man Geld abheben, an Kassen bargeldlos zahlt und etliche weitere Funktionen nutzen kann. Soweit war alles normal. Beim Lesen des Anschreibens stand im Betreff "Ihre SparkassenCard mit girogo" (Hervorhebung von mir). Und dann folgt folgender Absatz, der mich ein wenig verwundert hat:

wir freuen uns, Ihnen Ihre neue SparkassenCard überreichen zu können. Künftig können Sie Kleinbeträge bis 25,-- € schnell, bequem und sicher auch kontaktlos bezahlen. Wo Sie Ihre Karte kontaktlos einsetzen können, erkennen Sie an dem neuen girogo-Logo. Was Sie sonst noch zu girogo und insbesondere zum Datenschutz und der Sicherheit des Verfahrens wissen sollten, erfahren Sie im Internet unter www.sparkasse.de/girogo oder in Ihrem Beratungscenter.

Das hört sich erst einmal völlig harmlos an, auch wenn ich mich spontan gefragt habe, wozu das auffallend geringe Limit von 25 € gut sein soll. Dann habe ich mich ein wenig schlau gemacht. Was hier so im Vorbeigehen eingeführt worden ist, ist weniger das kontaktlose Bezahlen, sondern das Bezahlen ohne PIN-Eingabe eben bis zu dem genannten Limit. Grund genug, mir darüber ein paar Gedanken zu machen.

Natürlich war die erste Frage, wozu das gut sein soll. Oder anders gefragt, Cui bono, wem nützt das? Mir persönlich eher wenig bis gar nichts. Denn ob ich die Karte nun einfach irgendwo vorhalte oder einstecke, erspart mir lediglich die Suche danach, wie herum die Karte nun in den Schlitz muss. Und der Wegfall der PIN spart mir maximal 15 Sekunden, ist also völlig zu vernachlässigen. Dagegen dürfte die Sparkasse (ebenso wie alle anderen Anbieter auch) darauf spekulieren, dass sich hierdurch der Bargeldumsatz reduzieren lässt. Und hier wiederum der Umsatz von Münzgeld, was besonders teuer für die Geldinstitute ist. Anders gesprochen, die Sparkasse möchte Kosten einsparen. Denkbar ist auch noch, dass die Discounter darauf setzen, dass durch das schneller Bezahlen an den Kassen einen höheren Durchsatz und damit einige Bruchteile an Personaleinsatz eingespart werden kann.

Grundsätzlich ist ja gegen das Einsparen von Kosten nichts einzuwenden. Aber es wird ganz bewusst eine Sicherheitslücke geschaffen und in Kauf genommen, denn durch den Einsatz von manipulierten Lesegeräten kann man jetzt das Geld aus der Tasche gezogen bekommen, ohne dass man auch nur die geringste Chance hat, das zu bemerken oder zu verhindern. Hierzu sollte man wissen, dass der Chip auf der Karte dadurch ausgelesen wird, dass Funkwellen ausgesendet werden, die dem Chip gleichzeitig die Energie für eine Antwort liefern. Das Argument der Sparkassen, dass dies bei den verwendeten NFC-Chips (Near Field Communication) nur auf ganz geringe Entfernung funktioniert. Inwieweit durch eine Steigerung der Sende- und Empfangsleistung bei manipulierten Geräten eine Vergrößerung des Leseabstands erreicht werden kann, wird die Zukunft mit Sicherheit zeigen. Jedenfalls ist durch den Wegfall der PIN-Eingabe hier eine Sicherheitsfrage aufgekommen, die meiner Meinung nach eine Aufklärung seitens des Anbieters ebenso wie eine ausdrückliche Zustimmung seitens des Kunden erfordert hätte.

Und natürlich die Frage der Haftung. Was passiert, wenn Geld ohne meine Zustimmung abgebucht wurde? Wer zahlt und wer hat die Beweislast? Alles Fragen, die seriöserweise seitens der Sparkasse im Vorfeld hätten geklärt worden sein müssen. Also Anlass genug, mal nachzufragen...

An die
Kreissparkasse Euskirchen
Per Mail

Einführung des kontaktlosen (und PINlosen) Bezahlens

Sehr geehrte Frau M., [meine Kundenberaterin]
sehr geehrte Damen und Herren des Vorstands,

nachfolgende Anmerkungen / Fragen und Beschwerden mit der ausdrücklichen Bitte, diese auch dem Vorstand weiterzureichen.

Mit Schreiben, datiert „im Oktober 2017“, stellten Sie meiner Frau ihre neue Sparkassen / EC-Karte zur Verfügung.

Diese Karte enthält als neue Funktion die kontaktlose Bezahlfunktion bis 25 € per NFC bzw. RFID-Chip ohne weitere PIN-Eingabe.

Warum wurde ich hierüber weder im Vorfeld informiert noch um meine Zustimmung gebeten? Weder habe ich Ihrerseits Informationen über die Funktionserweiterung, noch eine Fassung der sicherlich hierzu notwendigen Erweiterungen der AGB erhalten. Ich weiß weder etwas über die Anwendung noch die Haftung, wenn es zu Fehlabbuchungen kommt. Bei Ihren Angeboten „Paydirekt“ sowie der „Restcent“-Aktion konnten Sie mir doch auch unaufgefordert Funktionen anbieten, nach denen ich nicht gefragt hatte.

Ich misstraue grundsätzlich allen Dingen, die nicht meiner vollständigen Kontrolle unterliegen. Und ausgerechnet eine Bezahlfunktion, die ohne mein weiteres Zutun funktioniert, führen Sie einfach so ein, ohne meine Zustimmung für erforderlich zu halten? Dass dieses Bezahlverfahren angeblich sicher sein soll, halte ich für nicht stichhaltig. Alleine die geringe Entfernung zwischen Lesegerät und Karte anzuführen, ist für mich nicht überzeugend. Ich kann mir im Gegenteil leicht etliche Situationen vorstellen, bei denen ein ungewollter Kontakt völlig problemlos möglich ist.

Was geschieht, wenn es dennoch zu einer ungewollten Abbuchung kommt? Oder wenn die Karte gestohlen wird und vor einer Sperrung der Karte Geld abgebucht wird? Wer haftet dann und wer trägt die Beweislast? Diese Fragen hätten Sie mir im Vorfeld ebenso auseinandersetzen müssen wie die Entscheidungsmöglichkeit, ob ich diese Funktion überhaupt nutzen möchte und ob ich sie sperren / deaktivieren lassen kann.

Bitte nehmen Sie mein Schreiben als ausdrückliche Missbilligung Ihrer Vorgehensweise zur Kenntnis.

Des Weiteren erwarte ich eine zeitnahe und vollständige Beantwortung meiner Fragen.

Gruß
Gregor Jonas

Nach immerhin einer Woche kam per Post die folgende, wenig aussagekräftige und schon gar nicht vollständige Antwort:

Kreissparkasse Euskirchen
Herrn
Gregor Jonas


Vorstandssekretariat

Wir verweisen auf unsere Mitteilungen vom 27.9.2016, in der wir Sie und Ihre Ehefrau über die Änderungen der Bedingungen für Ihre Sparkassen-Card informiert haben. Die
Mitteilungen haben wir Ihnen durch Kontoauszug vom 4.10.2016 ins elektronische Postfach eingestellt und diese wurden von Ihnen auch zur Kenntnis genommen. Wir fügen gedruckte Ausfertigungen als Anlage bei. Unter Punkt 2. dieser Mitteilung heißt es: "Sie können an automatisierten Kassen, sofern verfügbar, bis 25 Euro pro Bezahlvorgang kontaktlos ohne Eingabe der PIN bezahlen."

Uns sind keine Fälle bekannt geworden, durch die ein Kunde hierdurch einen Schaden erlitten hat; wir betrachten das Verfahren als sicher.

Ihre Mitteilung verstehen wir so, dass Sie mit der Funktion "kontaktloses Bezahlen" nicht einverstanden sind. Daher haben wir diese Funktion auf der Karte für das Konto Nr. [...] deaktiviert. Diese Deaktivierung wird automatisch wirksam, sobald Sie die nächste Verfügung am Geldautomaten getätigt haben.

Für Ihr Konto Nr. [...] ist nach wie vor eine Karte ohne die Funktion des kontaktlosen Bezahlens im Einsatz. Diese Karte ist noch bis Ende kommenden Jahres gültig. Sobald Sie die Austauschkarte erhalten haben bitten wir um Ihre Mitteilung, damit wir die entsprechende Funktion auch für diese Karte deaktivieren können.

[Darunter zwei Unterschriften ohne Angabe der Funktion bzw. Hierarchiezugehörigkeit.]

Erst einmal ist festzustellen, dass Lesen wohl nicht zu den Kernkompetenzen der KSK Euskirchen gehört. Eine Sperrung der PIN-losen Zahlfunktion war gar nicht Inhalt meines Schreibens, aber wohl hatte ich danach gefragt, ob so eine Sperrung möglich sei... Apropos Sperrung: Nach meinen Informationen lässt sich die NFC-Funktionalität (also die Kommunikation kontaktlos per Funk) überhaupt nicht deaktivieren. WAS also hat die KSK hier gesperrt?
Dann muss ich feststellen, dass die meisten meiner Fragen, so auch die nach der Haftung und der Beweislast gar nicht beantwortet worden sind.
Und die Aussage: "Wir betrachten das Verfahren als sicher" muss ich wohl entweder als Naivität, Dummheit oder fehlenden Erklärungswillen werten. Genauso gut hätte die Autoindustrie behaupten können, dass Autofahren absolut sicher sei. Stimmt im Prinzip, aber warum gibt es dann trotzdem Unfälle? Das ist doch keine Argumentation, sondern lediglich eine leere Worthülse. Hier kein Wort über Sicherheitsmaßnahmen und wenigstens zwei Sätze zum Verfahren fallen zu lassen, bedeutet wohl, dass ich als Kunde wohl zu unbedeutend oder vielleicht auch zu dumm bin, mich mit solchen Kleinigkeiten zu belasten. Zusammen mit der insgesamt unzureichenden Antwort fühle ich mich nicht ernst genommen, ja missachtet.

Aber der Reihe nach.

Der genannte Kontoauszug (der im Antwortschreiben überflüssigerweise zwei Mal für unsere beiden Konten jeweils gleichlautend noch mal beigefügt war), enthält tatsächlich die folgende Passage:

die Bedingungen für Ihre Sparkassen-Card ändern sich wie folgt:
1. Sie können an automatisierten Kassen auf Wunsch zwischen den angebotenen Zahlverfahren frei wählen.
2. Sie können an automatisierten Kassen, sofern verfügbar, bis 25 Euro pro Bezahlvorgang kontaktlos ohne Eingabe der PIN bezahlen.
3. Die Karte ist mit besonderer Sorgfalt aufzubewahren, da im Verlustfall bis zur Sperrung der Karte Transaktionen ohne PIN getätigt werden können (siehe 2.).
4. Geldkarte- und girogo-Zahlungen können nun bis zu einem Betrag von 25 Euro durchgeführt werden (bisher 20 Euro)

Mal ganz ehrlich: Wer liest so etwas auf einem Kontoauszug? Ich nicht, weil ich selbstverständlich davon ausgehe, dass wichtige Dinge entsprechend kommuniziert werden! Abgesehen davon gibt auch das hier keinerlei Aufschluss über Haftungsfragen und nur wenig Informationen zur Sicherheit. Und überhaupt: die Geldkarte, die unter 4. aufgeführt wird, gab es bisher schon und meines Wissens nach wollte niemand das nutzen. Ist girogo jetzt etwas anderes und worin liegt der Unterschied? Nur in der kontaktlosen Zahlung oder gibt es weitere Unterschiede? Wenn nicht, wäre das ja nur alter Wein in neuen Schläuchen oder anders gesagt, eine simple Umbenennung eines erfolglosen Zahlungsmodells. Die Formulierungen der KSK weisen sehr stark darauf hin, dass girogo eine direkte Verbindung mit dem Girokonto hat. Abgesehen davon, dass der Name "girogo" diesen Gedanken nahelegt, hätte man doch darauf hinweisen müssen, dass man die Karte erst aufladen muss, ehe man zahlen kann. Aber der Punkt 2. sagt ja gerade etwas anderes. Die Aussage "sofern verfügbar" bezieht sich grammatikalisch auf die "automatisierten Kassen". Das wiederum muss so gelesen werden, dass man ohne weiteres Zutun ohne PIN bezahlen kann, wenn die Kasse die Funktion unterstützt. Auch in dem Anschreiben bei Auslieferung der Debitkarte weist in diese Richtung. Welche Überraschung, dass auf der KSK-Infoseite (die aber kaum brauchbare Infos enthält; siehe www.sparkasse.de/girogo), aus der ich aber entnehmen soll, "was ich sonst noch wissen muss", etwas von Aufladen der Karte steht. Da heißt es wörtlich: "Es gibt verschiedene Wege, Guthaben aufzuladen." Und: "Ein automatisches Aufladen ist möglich." Was also stimmt? In den weiter unten behandelten AGB wird in diesem Zusammenhang von einer "Debitkarte" gesprochen. Und zwar ganz ausdrücklich, ist doch die Bezeichnung "Karte" für die SparkassenCard in der aktuellen Fassung vom Oktober 2017 durch die Bezeichnung "Debitkarte" ersetzt worden. Da das nur im Zusammenhang mit der Einführung des girogo geschehen sein kann, muss es diese Debitfunktion ja wohl geben. Denn englische Begriff „Debit“ bedeutet übersetzt Lastschrift, Belastung oder Soll. Jeder mit der Debitkarte getätigte Umsatz wird zeitnah vom Girokonto abgebucht. (vgl. www.kreditkarte.net/ratgeber/debitkarten/). So lautet im Übrigen auch die Begriffsbestimmung in den AGB , Abschnitt II. der Sparkasse selbst (siehe unten): "...die SparkassenCard eine Debitkarte ist. Zahlungen [...] werden umgehend dem Kundenkonto belastet." Warum stiftet die KSK nur solche Verwirrung?
Und wenn richtig ist, dass girogo-Zahlungen direkt von meinem Konto abgehen, dann ist die Weglassung einer PIN-Eingabe ein zusätzliches Risiko, dem kein mir gegenüber erklärter Nutzen steht.

Zwischenzeitlich kamen dann die schon angesprochenen neuen AGB der Kreissparkasse. Und auch wenn ich da normalerweise nicht reingeschaut hätte, war ich jetzt natürlich neugierig. Und siehe da, es gibt zu den Haftungsfragen und der Beweislast grundsätzlich eine Antwort in den AGB, die nachfolgend in Auszügen abgebildet wird. Zunächst ist den eigentlichen AGB ein Abschnitt über die Änderungen zur bisherigen Fassung vorangestellt.

II. Änderungen in den Bedingungen
[...]
5. Bedingungen für die Sparkassen-Card (Debitkarte)
– Begriff Debitkarte

Im Titel und im Einleitungssatz ist klargestellt, dass die Sparkassen-Card eine Debitkarte ist. Zahlungen mittels einer Debitkarte werden – anders als Kreditkartenzahlungen – umgehend dem Kundenkonto belastet.
[...]
– Haftung bei nicht autorisierten Kartenzahlungen
Bei nicht autorisierten Kartenzahlungen (Nummer A.II. 14.1) gilt wie bisher grundsätzlich, dass Sie nach der Sperranzeige Ihrer Debitkarte keine Haftung mehr für die danach eintretenden Schäden durch missbräuchliche Nutzung Ihrer Debitkarte trifft. Bei Schäden vor der Sperranzeige verzichten wir grundsätzlich auf die gesetzlich vorgesehene Schadensbeteiligung in Höhe von maximal 50 Euro (bisher: 150 Euro) und übernehmen auch diese Schäden für Sie.
Bei vorsätzlicher und grob fahrlässiger Verletzung der Sorgfaltspflichten oder wenn Sie in betrügerischer Absicht handeln, ist Ihre Haftung wie bisher auf den für die Debitkarte vereinbarten Verfügungsrahmen beschränkt.

Leider ist die Aussage zur Haftung eine bloße Absichtserklärung ohne Wert, da die Regelung selbst da bedauerlicherweise etwas anderes aussagt:

Bedingungen für die Sparkassen-Card (Debitkarte)
Fassung: 13. Januar 2018
[...]
3 Ohne Einsatz der persönlichen Geheimzahl (PIN):
(1) Zum kontaktlosen Einsatz bei Handels- und Dienstleistungsunternehmen an automatisierten Kassen im Rahmen des deutschen electronic-cash girocard-Systems, die mit dem girocard-Logo gekennzeichnet sind, bis 50 Euro pro Bezahlvorgang, soweit an den automatisierten Kassen für den jeweiligen kontaktlosen Einsatz nicht die Eingabe einer PIN verlangt wird.
Zum kontaktlosen Einsatz bei Handels- und Dienstleistungsunternehmen an automatisierten Kassen im Rahmen von fremden Debitkartensystemen bis zu 50 Euro pro Bezahlvorgang, soweit an den automatisierten Kassen für den jeweiligen kontaktlosen Einsatz nicht die Eingabe einer PIN verlangt wird. Die Akzeptanz der Debitkarte im Rahmen eines fremden Systems erfolgt unter dem für das fremde System geltenden Akzeptanzlogo.
[...]

Daraus ergibt sich zunächst die Frage, warum in den AGB ein Betrag von 50 € genannt wird, die Zahlfunktion ohne PIN aber tatsächlich auf 25 € limitiert wurde.
Zur Frage der Haftung bei unautorisierter Abbuchung von der Karte:: Offensichtlich ist der entscheidende Passus der Punkt 14.1 (1)  und 14.1 (4). Der Absatz 13 regelt zunächst, dass Missbrauch einer Debitkarte und ein daraus entstehender Verlust des Kunden durch die Sparkasse getragen wird. Absatz 14 soll dann den Kunden zu einer Teilhaftung bis zu maximal 50 € verpflichten, wenn er "seine ihm obliegenden Sorgfalts- und Mitwirkungspflichten" verletzt hat. Und in 14.1 (4), hier in ROT von mir kenntlich gemacht, steht dann ganz ausdrücklich, dass der Kunde der Sparkasse nachzuweisen hat, dass er sich diesen AGB entsprechend korrekt verhalten hat und die nicht autorisierte Verfügung über sein Konto nicht durch sein Verschulden verursacht wurde. Und immer dann, wenn man so etwas beweisen muss, ist Ärger vorprogrammiert. Leider fehlt die ausdrückliche Regelung des Falls, dass jemand quasi im Vorbeigehen ohne das ein Verlust der Karte vorliegt, Geld abbucht, indem er mit einem manipulierten Lesegerät arbeitet. Einen solchen Verlust bemerkt man erst bei einer sorgfältigen Prüfung des Kontoauszugs. Und ein Nachweis, dass man hier seine Sorgfaltspflichten nicht vernachlässigt hat, dürfte schwierig sein. Immerhin ist ein solcher Fall nach den Aussagen der Sparkasse ja so gut wie ausgeschlossen.
Und noch eine Frage, die man nicht erklärt hat: Wie halte ich nach, welche Zahlungen ich über girogo getätigt habe? Ist das doch eine Geldkartenfunktion und das Geld ist einfach weg, wenn man gezahlt hat und man muss sich aufschreiben, wo es geblieben ist. Oder erscheint jede noch so kleine Zahlung auf dem Kontoauszug und ich muss mich im Zweifelsfall dort durch einen Wust von Kleinstbuchungen wühlen? Und wenn die Zahlungen nirgendwo aufgeführt werden, wie kann ich dann eine nicht autorisierte Abbuchung erkennen oder gar nachweisen, wenn ich die KSK um Erstattung gemäß AGB bitten will? Die eigentliche Haftungsregelung folgt hier:

13 Erstattungs-, Berichtigungs- und Schadensersatzansprüche des Kontoinhabers
13.1 Erstattung bei nicht autorisierter Kartenverfügung
Im Falle einer nicht autorisierten Kartenverfügung, z. B. in Form der
– Abhebung von Bargeld an einem Geldautomaten,
– Verwendung der Debitkarte an automatisierten Kassen von Handels- und Dienstleistungsunternehmen,
– Aufladung der GeldKarte mit PIN-Eingabe
– Verwendung der Debitkarte zur Aufladung eines PrepaidMobilfunk-Kontos,
hat die Sparkasse gegen den Kontoinhaber keinen Anspruch auf Erstattung ihrer Aufwendungen. Die Sparkasse ist verpflichtet, dem Kontoinhaber den Betrag unverzüglich und ungekürzt zu erstatten.
Wurde der Betrag dem Konto belastet, bringt die Sparkasse dieses wieder auf den Stand, auf dem es sich ohne die nicht autorisierte
Kartenverfügung befunden hätte. Diese Verpflichtung ist spätestens bis zum Ende des Geschäftstags gemäß „Preis- und Leistungsverzeichnis" zu erfüllen, der auf den Tag folgt, an welchem der Sparkasse angezeigt wurde, dass die Kartenverfügung nicht autorisiert ist oder die Sparkasse auf andere Weise davon Kenntnis erhalten hat. Hat die Sparkasse einer zuständigen Behörde berechtigte Gründe für den Verdacht, dass ein betrügerisches Verhalten des Kunden vorliegt, schriftlich mitgeteilt, hat die Sparkasse ihre Verpflichtung aus Satz 2 unverzüglich zu prüfen und zu erfüllen, wenn sich der Betrugsverdacht nicht bestätigt.
bis zum Ende des Geschäftstags gemäß „Preis- und Leistungsverzeichnis” zu erfüllen, der auf den Tag folgt, an welchem der Sparkasse angezeigt wurde, dass die Kartenverfügung nicht autorisiert ist oder die Sparkasse auf andere Weise davon Kenntnis erhalten hat. Hat die Sparkasse einer zuständigen Behörde berechtigte Gründe für den Verdacht, dass ein betrügerisches Verhalten des Kunden vorliegt, schriftlich mitgeteilt, hat die Sparkasse ihre Verpflichtung aus Satz 2 unverzüglich zu prüfen und zu erfüllen, wenn sich der Betruqsverdacht nicht bestätigt.

14 Haftung des Kontoinhabers für nicht autorisierte Kartenverfügungen
14.1 Haftung des Kontoinhabers bis zur Sperranzeige
(1) Verliert der Karteninhaber seine Debitkarte oder PIN, werden sie ihm gestohlen oder kommen sie sonst abhanden oder werden diese sonst missbräuchlich verwendet und kommt es dadurch zu nicht autorisierten Kartenverfügungen in Form der
– Abhebung von Bargeld an einem Geldautomaten,
– Verwendung der Debitkarte an automatisierten Kassen von Handels- und Dienstleistungsunternehmen,
– Aufladung der GeldKarte mit PlN-Eingabe,
–  Verwendung der Debitkarte zum Aufladen eines Prepaid-Mobilfunk-Kontos,
haftet der Kontoinhaber für Schäden, die bis zum Zeitpunkt der Sperranzeige verursacht werden, in Höhe von maximal 50 Euro.
Die Haftung nach Absatz 6 für Vorsatz und Fahrlässigkeit sowie für Handeln in betrügerischer Absicht bleibt unberührt.
(3) Handelt es sich bei dem Kontoinhaber nicht um einen Verbraucher oder erfolgt der Einsatz der Debitkarte außerhalb Deutschlands und des Europäischen Wirtschaftsraums, trägt der Kontoinhaber den aufgrund nicht autorisierter Kartenverfügungen entstehenden Schaden nach Absatz 1 auch über einen Betrag von maximal 50 Euro hinaus, wenn der Karteninhaber die ihm nach diesen Bedingungen obliegenden Pflichten fahrlässig verletzt hat. Hat die Sparkasse durch eine Verletzung ihrer Pflichten zur Entstehung des Schadens beigetragen, haftet die Sparkasse für den entstandenen Schaden im Umfang des von ihr zu vertretenden Mitverschuldens.
(4) Die Sparkasse verzichtet auf die Schadensbeteiligung durch den Kontoinhaber in Höhe von maximal 50 Euro gemäß vorstehendem Absatz 1 und übernimmt alle Schäden, die durch nicht autorisierte Zahlungsvorgänge bis zum Eingang der Sperranzeige entstanden sind, wenn der Karteninhaber seine ihm gemäß Abschnitt A. II. Nummer 76 obliegenden Sorgfalts- und Mitwirkungspflichten nicht in betrügerischer Absicht, vorsätzlich oder grob fahrlässig verletzt hat. Eine Übernahme des vom Kontoinhaber zu tragenden Schadens durch die Sparkasse erfolgt nur, wenn der Kontoinhaber die Voraussetzungen der Haftungsentlastung glaubhaft darlegt und Anzeige bei der Polizei erstattet.
(5) Der Kontoinhaber ist nicht zum Ersatz des Schadens nach den Absätzen 1 und bis 3 verpflichtet, wenn der Karteninhaber die Sperranzeige nicht abgeben konnte, weil die Sparkasse nicht die Möglichkeit zur Entgegennahme der Sperranzeige sichergestellt hatte und der Schaden dadurch eingetreten ist.
(6) Kommt es vor der Sperranzeige zu nicht autorisierten Kartenverfügungen und hat der Karteninhaber seine Sorgfaltspflichten nach diesen Bedingungen vorsätzlich und grob fahrlässig verletzt oder in betrügerischer Absicht gehandelt, trägt der Kontoinhaber den hierdurch entstandenen Schaden in vollem Umfang. Grobe Fahrlässigkeit des Karteninhabers kann insbesondere dann vorliegen, wenn er
– den Verlust, Diebstahl oder die missbräuchliche Verfügung der Sparkasse oder dem Zentralen Sperrannahmedienst schuldhaft nicht unverzüglich mitgeteilt hat, nachdem er hiervon Kenntnis erlangt hat,
– die persönliche Geheimzahl auf der Karte physischen Debitkarte vermerkt oder zusammen mit der physischen Debitkarte verwahrt hat,
– die persönliche Geheimzahl der digitalen Debitkarte auf dem mobilen Endgerät gespeichert hat oder
– die persönliche Geheimzahl einer anderen Person mitgeteilt hat und der Missbrauch dadurch verursacht worden ist.
Die Haftung für Schäden, die innerhalb des Zeitraums, für den der Verfügungsrahmen gilt, verursacht werden, beschränkt sich jeweils auf den für die Debitkarte geltenden Verfügungsrahmen.
(7) Hat die Sparkasse beim Einsatz der Debitkarte eine starke Kundenauthentifizierung nach § 1 Absatz 24 Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz nicht verlangt oder hat der Zahlungsempfänger oder sein Zahlungsdienstleister diese nicht akzeptiert, obwohl die Sparkasse gesetzlich zur starken Kundenauthentifizierung verpflichtet ist, bestimmt sich die Haftung des Karteninhabers und der Sparkasse abweichend von den Absätzen 1 bis 6 nach den Bestimmungen in § 675v Absatz 4 des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Man sollte meinen, dass hier, wenn auch sehr kompliziert und ein wenig verklausuliert formuliert, eine kundenfreundliche Regelung geschaffen wurde. Allerdings muss man festhalten, dass ich als Kunde nachweisen soll, dass ich nicht betrügerisch gehandelt und auch sonst alle Bedingungen eingehalten habe. Im Gegensatz zur Zusammenfassung, in der ganz klar eine Haftung der Sparkasse ohne Wenn und Aber suggeriert wird, ist tatsächlich die Beweislast für ein ordnungsgemäßes Verhalten dem Kunden auferlegt worden. Und es gibt ernsthafte Zweifel, wie man einen missbräuchlichen Geldabfluss erkennen und die eigene Unschuld nachweisen kann. Überhaupt fehlen Schadensersatzregelungen für das Thema Geldkarte / girogo in den Geschäftsbedingungen völlig. Alle oben zitierten Regelungsfälle beziehen sich auf die Debitkarte! Also genügend Gründe, der KSK Euskirchen nochmals zu antworten und um Klarstellung zu bitten:

An die
Kreissparkasse Euskirchen
Per Mail


Einführung des kontaktlosen (und PINlosen) Bezahlens
Ihre Antwort vom 13.10.2017



Sehr geehrte Frau M.,
sehr geehrte Damen und Herren des Vorstands,


eine vollständige Beantwortung meiner Fragen hatte ich mir anders vorgestellt.

Den Vorwurf einer unterlassenen Aufklärung über die Einführung des neuen Bezahlsystems muss ich wohl von „unterlassen“ auf „völlig unzureichend“ abmildern.

Eine Information über eine solche, schwerwiegende Änderung des Funktionsumfangs der EC-Karte lediglich auf einem Kontoauszug, den wahrscheinlich 99,5 % Ihrer Kunden nicht zur Kenntnis genommen haben (und sich schon gar nicht über die Tragweite klar geworden sein) dürften, ist nicht hinreichend. Zumal dort zu meinen, vom Ihnen geflissentlich übersehenen Fragen, keinerlei Stellungnahme enthalten ist.

Sie stellen Ihr Zahlungssystem als sicher dar. Warum ist dann das Limit auf lächerliche 25 € gesetzt, ein Betrag, den ich in den allermeisten Fällen überhaupt nicht verwenden kann? Weder im Discounter / Supermarkt noch an der Tankstelle ist mit diesem Betrag etwas anzufangen. Und 25 € suggerieren mir, dass Sie Ihrem System selbst nicht wirklich trauen können. Im Übrigen verwirrt mich, dass in den vor wenigen Tagen (genau an dem Tag, auf dass Ihr Antwortschreiben datiert ist) versendeten geänderten Geschäftsbedingungen ein Limit von 50 € aufgeführt wird. Woher stammt diese Differenz?

In den anfangs erwähnten Informationen fehlt auch die Angabe, dass eine solche, PIN-lose Zahlfunktion auch gesperrt werden kann. Diese Information entnehme ich erst Ihrem Antwortschreiben. Die veranlasste Sperrung dieser Funktion für die Karte meiner Frau kann vorerst in Kraft bleiben, obwohl ich lediglich gefragt hatte, ob eine solche Sperrung möglich sei. Insoweit hätte ein aufmerksames Lesen meines Schreibens keine Unklarheit aufkommen lassen können.

Auch da jetzt klar ist, dass eine Sperrung möglich ist, bleibe ich bei meinem Vorwurf, dass Sie mich vorher um meine Zustimmung zur Einführung hätten bitten müssen.

Und die wesentlichste Frage, nämlich die nach der Haftung bei ungewollten Abbuchungen, wurde ebenfalls nicht beantwortet.

Ich habe den geänderten Geschäftsbedingungen, die mich nach meinem Schreiben erreicht haben, einige Angaben zur Haftung entnehmen können. Aber angesehen davon, dass dort von einem Limit von 50 € ausgegangen wird, für die ich als Kunde dann auch haften muss, stiften die aufgeführten Ausnahmeregelungen mehr Verwirrung als für Klarheit zu sorgen. Durch die grundsätzliche Haftung durch den Kunden wird mir die Beweispflicht auferlegt, mich an alle Vorsichts- und Mitwirkungspflichten gehalten zu haben. Eine kundenfreundliche Regelungen hätte die Beweislast umkehren müssen in der Art, dass die Sparkasse grundsätzlich haftet, es sei den, der Kunde hätte seine Sorgfaltspflicht verletzt. Hier wäre ich für eine Klarstellung dankbar.

Gruß
Gregor Jonas

Eine Antwort steht noch aus.
Aber hier noch eine Beobachtung, die eine Erkenntnis bringt, die man mir vielleicht auch hätte mitteilen können: Während unter Punkt 2. und 4. der ominösen "Information" auf dem oben abgedruckten Kontoauszug ganz klar gesagt wird, dass man kontaktlos per girogo lediglich bis 25 € (und dann ohne PIN-Eingabe) zahlen könne, funktioniert das mit PIN-Eingabe auch bei größeren Beträgen. Inwieweit das Auswirkungen auf die Sicherheit hat, kann ich nicht beurteilen. Offenbar konnten andere Kreditinstitute (die Karte des beobachteten Kunden einer Tankstelle war blau und nicht rot) ihre Kunden über den genauen Funktionsumfang des kontaktlosen Bezahlens durchaus informieren. Warum schaffte das die Kreissparkasse Euskirchen nicht?


Das hüpfende Komma oder des Pudels Kern ist, da bin ich mir inzwischen ziemlich sicher, das die Kreissparkasse Euskirchen (und mit ihr alle im Deutschen Sparkassen- und Giroverband zusammengeschlossenen Sparkassen) tatsächlich gar nicht girogo eingeführt haben. Denn das gibt es unter dem Namen "Geldkarte" seit gut 20 Jahren. Mit der neuen SparkassenCard wurde entgegen der Behauptung der KSK tatsächlich die girocard kontaktlos eingeführt. Wenn man das erst einmal begriffen hat, dann versteht man auch, dass genau das in den AGB der Sparkassen im Abschnitt "Bedingungen für die SparkassenCard" auch steht. Dort wird nämlich in Punkt 3 das girocard-System namentlich genannt. Das seit 20 Jahren unter dem Namen "Geldkarte"existierende Prepaid-Zahlungssystem wird überaschenderweise nur zweimal erwähnt. Und das beim Thema Aufladen und Entladen bei Kartenrückgabe. Die umbenannte Geldkarte, die mit der Kontaktlosfunktion jetzt girogo heißt, findet in den AGB überhaupt keine Erwähnung. Alle möglichen Haftungsfragen, die im Zusammenhang mit der Geldkarte entstehen könnten, muss man durch eine analoge Auslegung der Debitkartenregelung klären.

Die GiroCard kontaktlos (laut AGB mit Eigennamen girocard) bedeutet zunächst nichts anderes, als dass man seine Karte nicht mehr viel Mal umdrehen muss, bis man die richtige Richtung gefunden hat, in der sie in den Schlitz des Lesegerätes eingeführt werden muss. Man hält die Karte jetzt lediglich vor das Lesegerät und der NFC-Funkchip gibt die Daten weiter. Dabei funktioniert das alte Leseverfahren aber nach wie vor weiter. Auch die PIN-Eingabe muss bei einem Zahlungsvorgang wie bisher erfolgen, es sei denn, der eben zitierte Punkt 3 der AGB wurde tatsächlich umgesetzt. Darin heißt es nämlich, und obwohl der Text weiter oben schon steht, will ich ihn wegen seiner Bedeutung noch einmal wörtlich zitieren: Zum kontaktlosen Einsatz bei Handels- und Dienstleistungsunternehmen an automatisierten Kassen im Rahmen des deutschen electronic-cash girocard-Systems, die mit dem girocard-Logo gekennzeichnet sind, bis 50 Euro pro Bezahlvorgang, soweit an den automatisierten Kassen für den jeweiligen kontaktlosen Einsatz nicht die Eingabe einer PIN verlangt wird." Dieser Satz besagt, dass man tatsächlich auch ohne Aufladen der Geldkarte ohne PIN-Eingabe zahlen kann. Und damit habe ich nicht nur die befürchtete Sicherheitslücke, die direkt und ohne Umwege zu meinem Girokonto führt. Und girocard steht hier in direktem Einsatzbereich der Geldkarte, was eines der Systeme überflüssig macht.

Gleichzeitig mit der Girocard kontaktlos versucht man, eine 20 Jahre alte Totgeburt namens Geldkarte durch Umbenennung in girogo zu reanimieren und ihr gleichzeitig ebenfalls die "kontaktlos"-Fähigkeit zu verleihen. Man kombiniert hier also die Debitkarte mit der Geldkarte, die man vorher mit einem Guthaben aufladen muss. Das ist so abstrus und abwegig, dass ich es erst nicht zur Kenntnis nehmen und danach nicht glauben wollte. Aber sogar die beiden entsprechenden Websites sind identisch (vgl. geldkarte.de, girogo.de). Sogar in dem ganz am Anfang zitierten Kontoauszug werden die "Geldkarte- und girogo-Zahlungen" unter 4. synonym verwendet. Kein Wunder, dass bei dieser Vermischung verschiedener Techniken ein totales Informationschaos entstehen musste. Abgesehen von dem betriebswirtschaftlichen Unsinn, der damit verbunden ist, hätte man sich die Kosten für die Geldkartenfunktion sparen und statt dessen die Kontoführungsgebühren wieder auf ein vertretbares Maß absenken sollen. Die Hoffnung, dass sich die girogo genannte Geldkarte jetzt doch durchsetzen wird, dürfte wohl der Phantasie der Entscheidungsträger entsprungen sein und mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun haben. Wenn die Debitfunktion der neuen SparkassenCard die Zahlung von Kleinbeträgen ohne PIN-Eingabe ermöglicht, dann überschneiden sich die Einsatzmöglichkeiten der Zahlungssysteme zu fast 100% und es stellt sich mir die Frage, wer dann überhaupt noch die Geldkarte benutzen soll. Die Akzeptanz ging ja bereits ohne die neue Konkurrenz aus dem eigenen Haus gegen null. Es sind für die Geldkarte / girgo nur noch Nischenanwendungen denkbar, die eine solch aufwändige "Einführung" kaum rechtfertigen dürften. Was sich die Entscheidungsträger hier gedacht haben, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Warum das funktionelle Nebeneinander nicht kommuniziert wurde, kann nur vermutet werden. Wenn ich mich in die Lage der für die Doppelfunktionalität verantwortlichen Manager versetze, würde ich aber vielleicht auch nicht wollen, dass das jemand genau so versteht.

Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass die Verantwortlichen der KSK diese Vermischung von girocard kontaktlos (oder SparkassenCard kontaktlos) mit dem Reanimierungsversuch der Geldkarte selbst gedanklich nicht getrennt bekommen. Ansonsten hätte man das den Kunden doch ganz einfach erklären können und das ganze Informationswaterloo wäre vermeidbar gewesen. Aber selbst der Sparkassen- und Giroverband, von dem wohl die Technik als auch die Muster-AGB stammen, scheint von diesem Gedankenknoten nicht verschont worden zu sein. Sonst wäre in den AGB und auch in der Kommunikation den Kunden gegenüber doch eine sorgfältige Trennung der beiden so unterschiedlichen Verfahren zu erwarten gewesen. Was statt dessen dabei herausgekommen ist, kann man ja weiter oben sehen.

Wenn man also die Geldkarte erst aufladen muss, kann man sie (wie bisher) getrost vergessen und ignorieren. Denn die girocard erfüllt ja exakt den gleichen Zweck. Aber die Frage, ob mit der kontaktlosen SparkassenCard bis 25 € tatsächlich ohne PIN bezahlt werden und ob man das sperren kann, sollte schon noch beantwortet werden. Denn genau das wird bei den sparsamen Ausführungen der KSK nicht deutlich. Soweit eine PIN-Eingabe bei ALLEN Beträgen obligatorisch bleibt, habe ich gegen die girocard kontaktlos-Funktion keine großartigen Bedenken vorzubringen. Dann hätte ein lapidares Satz (Als Vorschlag: "Sie können an entsprechend ausgerüsteten Kassen jetzt auch kontaktlos bezahlen. Alles andere ändert sich nicht.") zur Information gereicht. Die girogo-Fähigkeit der Karte ist, abgesehen vom Namen, entgegen der KSK Aussage überhaupt nichts Neues und hätte daher keiner Erwähnung bedurft. Aber wenn man seitens der KSK tatsächlich die Hoffnung hegen sollte, girogo könne tatsächlich gegen alle Erwartung zu einem Erfolg werden, hätte man den potenziellen Anwendern doch ausführlicher die Gründe für die Nutzung dieser Funktion erklären müssen und auch, welche Sicherheitsvorkehrungen dazu getroffen wurden.
Und noch eine Anmerkung zum Schluss: Wenn tatsächlich eine girocard kontaktlos UND eine girogo kontaktlos Geldkartenfunktion gleichzeitig aktiv sind, welche hat dann Vorrang bei Kleinbeträgen, wenn ein entsprechendes Guthaben vorhanden ist? Auch so eine, wenn auch möglicherweise nebensächliche Frage, die hätte geklärt werden sollen (Vergleiche hierzu einen Artikel im IT-Finanzmagazin). Und wenn man mit der Debitfunktion kontaktlos (und vielleicht bis 25 € auch ohne weitere PIN-Eingabe) bezahlen kann, wann ergibt die Geldkartenfunktion überhaupt noch einen Sinn?


Um dem Ganzen noch einmal in aller Kürze auf den Grund zu gehen: Es gibt jetzt zwei, in den Anwendungsbereichen bei Kleinbeträgen identische, unterschiedliche Zahlungssysteme auf der SparkassenCard. Beide können ohne PIN-Eingabe und kontaktlos bis 25 € (nach AGB bis 50 €) genutzt werden.
girogo ist die alte Geldkarte und muss vor Zahlung mit einem ausreichenden Guthaben aufgeladen worden sein.
girocard ist eine Debitfunktion, geleistete Zahlungen werden direkt dem Girokonto belastet.
Zwei unterschiedliche Zahlsysteme, zwei sehr ähnliche Namen. Ein völlig überflüssiges Zahlsystem (girogo), das dank zusätzlich falscher Bezeichnung bei der Auslieferung zu einer unendlichen Verwirrung geführt hat und betriebswirtschaftlicher Wahnsinn ist. Ich gehe noch einmal an den Anfang dieses Artikels und an den Beginn meiner Verwirrung zurück und zitiere noch einmal die Passage aus dem der neuen SparkassenCard beigefügten Anschreiben der Kreissparkasse Euskirchen:

wir freuen uns, Ihnen Ihre neue SparkassenCard überreichen zu können. Künftig können Sie Kleinbeträge bis 25,-- € schnell, bequem und sicher auch kontaktlos bezahlen. Wo Sie Ihre Karte kontaktlos einsetzen können, erkennen Sie an dem neuen girogo-Logo. Was Sie sonst noch zu girogo und insbesondere zum Datenschutz und der Sicherheit des Verfahrens wissen sollten, erfahren Sie im Internet unter www.sparkasse.de/girogo oder in Ihrem Beratungscenter.

Hätte dort statt girogo korrekterweise girocard gestanden, wäre einiges klarer geworden. Aber selbst dann wären ein paar weiterführende Sätze angebracht gewesen.
Eine Funktion, die Zahlungen ohne mein Zutun in Form einer PIN-Eingabe ermöglicht, lehne ich aus Gründen der Sicherheit nach wie vor ab. Insbesondere, da ich jetzt gelernt habe, dass meine ursprüngliche Befürchtung, dass solche Zahlungen direkt zu Lasten meines Kontos gehen, richtig waren. Gegen eine sichere kontaktlose Zahlung habe ich keine Einwände. Wenn es die KSK also schaffen sollte, nur das Zahlen ohne PIN zu sperren, wäre ich zufrieden.
Hier noch ein Link zum Thema kontaktlos zahlen: s-kontaktloszahlen.de/privatkunden. Was hinsichtlich der Sicherheit aufgeführt wird, ist allerdings ebensowenig überzeugend wie Ausführungen auf den anderen aufgeführten Seiten.  Aber hier werden wenigstens die unterschiedlichen Zahlungssysteme sauber auseinandergehalten.

Hier die ausführliche Antwort der Kreissparkasse Euskirchen, die sich hier wirklich Mühe gegeben hat, die aber leider auch Fragen offen lässt:

Kreissparkasse Euskirchen
Herrn
Gregor Jonas
9. November 2017


Funktionen der Sparkassen-Card


Sehr geehrter Herr Jonas,

wir kommen zurück auf das am 27.10.2017 zwischen Ihnen und dem Linksunterzeichner geführte Telefonat, Ihre E-Mail vom gleichen Tage sowie auf die vorausgegangene Korrespondenz.
Zunächst bedauern wir Ihre Unzufriedenheit über die Informationen zu Zahlungsvorgängen mit der Sparkassenkarte. Bitte erlauben Sie uns nachstehend einige erläuternde Hinweise:

1.
Zu den Sonderbedingungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen gehören die "Bedingungen für die Sparkassen-Card (Debitkarte)". Sowohl die Zahlungsfunktion als Debitkarte als auch die als Geldkarte sind in diesen Bedingungen beschrieben. In beiden Fällen ist jetzt die Möglichkeit hinzu gekommen, die Karte kontaktlos einzusetzen. Unter Hinweis auf die vorausgegangenen Schreiben weisen wir nochmals darauf hin, dass die Funktion des kontaktlosen Bezahlens bei der Karte Ihrer Ehefrau deaktiviert ist und wir
dies ebenfalls vorgemerkt haben, wenn für Ihr Konto im Laufe des kommenden Jahres die Ersatzkarte geliefert wird. Dies bedeutet, dass der elektronische Empfang der entsprechenden Signale des Händlerterminals deaktiviert ist. Insoweit bedauern wir, dass wir Ihre Mitteilung vom 7.10.2017 nicht entsprechend Ihren Vorstellungen interpretiert haben.

Sofern Sie künftig jedoch wieder kontaktlos zahlen möchten, bitten wir um einen entsprechenden Hinweis, damit wir die Funktion wieder aktivieren können.

2.
Gemäß den "Bedingungen für die Sparkassen-Card (Debitkarte)" in der Fassung 13. Januar 2018 (A Garantierte Zahlungsformen, I Geltungsbereich, Ziffer 3 Abs.l) können im Rahmen des deutschen girocard-Systems Zahlungen bis zu 50,— € pro Bezahlvorgang geleistet werden, soweit an den automatisierten Kassen für den jeweiligen kontaktlosen Einsatz nicht die Eingabe einer PIN verlangt wird. Damit wird in den Bedingungen eine Regelung der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde hinsichtlich des Höchstbetrages umgesetzt.

Technisch wird diese neue Höchstgrenze jedoch zunächst noch nicht verändert. Hinsichtlich der Geldkartenfunktion können an den GeldKarte-/ girogo-Terminals des Handels- und Dienstleistungsbereichs, die zusätzlich mit dem girocard-Logo gekennzeichnet sind und deshalb auch Verfügungen im Rahmen des girocard-Systems unterstützen, weiterhin Zahlungen bis zu 25,- € ohne PIN-Eingabe geleistet werden. Höhere Verfügungen können an diesen Terminals nur als girocard-Zahlung mit PIN-Eingabe erfolgen. An allen ausschließlich mit dem GeldKarte- und / oder dem girogo-Logo gekennzeichneten Terminals sind Verfügungen mit der GeldKarte im Rahmen des gespeicherten Guthabens auch über 25,- € ohne PIN-Eingabe möglich (A Garantierte Zahlungsformen, III Besondere Regeln für einzelne Nutzungsarten, Ziffer 2.4).

3.
Wie Ihnen der Linksunterzeichner bereits telefonisch mitgeteilt hat, ist es aus technischen Gründen leider nicht möglich, das kontaktlose Bezahlen dahingehend zu modifizieren, dass zusätzlich immer die PIN eingegeben werden muss.

4.
Sofern Sie eine Zahlung an einem Terminal tätigen, das sowohl die Geldkartenfunktion als auch die girocard-Funktion unterstützt, wird die Zahlung vorrangig über die Geldkartenfunktion (vorab geladenes Guthaben auf dem Chip) abgewickelt. Wenn dies nicht möglich ist, erfolgt eine Ausführung über die girocard-Funktion (Abbuchung direkt von Ihrem Konto).

5.
Wir haben Ihre kritische Wertung zur Geldkartenfunktion zur Kenntnis genommen. Sicherlich hat sich die Kreditwirtschaft hiervon eine stärkere Marktdurchdringung versprochen. Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass die Geldkartenfunktion in einigen Bereichen im Einsatz ist und sich aus vielfältigen Gründen als sehr nützlich erweist, so z.B. bei der SVE (Stadtverkehr Euskirchen), in Betriebskantinen sowie in Stadien.

6.
Schließlich möchten wir auf die Haftungsregelung eingehen; die entsprechende Regelung in den Sonderbedingungen haben Sie im Internet wiedergegeben. Hierin heißt es u.a. "Eine Übernahme des vom Kontoinhaber zu tragenden Schadens durch die Sparkasse erfolgt nur, wenn der Kontoinhaber die Voraussetzungen der Haftungsentlastung glaubhaft darlegt und Anzeige bei der Polizei erstattet." Dies bedeutet nicht, dass Sie "beweispflichtig" sind, zumal an eine Glaubhaftmachung geringere Maßstäbe als an einen juristischen Beweis angelegt werden. Zudem können Sie davon ausgehen, dass ein etwaiger Schadensfall in unserem Hause kundenfreundlich behandelt würde.

7.
In Ihrem Schreiben vom 17.10.2017 erklären Sie, dass Ihnen der Betrag von 25,- € suggeriert, dass wir dem "System selbst nicht wirklich trauen können". Dieses ist so nicht zutreffend. Wir sehen jedoch insbesondere im Falle des Verlustes einer Karte ein entsprechendes Schadensrisiko, welches wir im Kundeninteresse aber auch in unserem eigenen Interesse gering halten wollen.

Als Anlage fügen wir Ihnen die „FAQ für Privatkunden zu girocard kontaktlos" bei.
Wir hoffen, dass damit Ihre Fragen zufriedenstellend beantwortet sind. Gerne stehen wir Ihnen zur Beantwortung von Rückfragen zur Verfügung. Wie der Linksunterzeichner Ihnen bereits telefonisch mitteilte, stehen wir auch gerne für ein persönliches Gespräch in unserem Hause zur Verfügung; eine vorherige Terminabstimmung wäre dann sicherlich sinnvoll.

Mit freundlichen Grüßen

Grundsätzlich wird hier einiges erklärt. Was leider fehlt ist eine Erklärung, warum man den Kunden nicht von Anfang an vollständig informiert hat. Und selbst in dem obigen Schreiben ist es ohne Hintergrundkenntnisse nicht ganz einfach zu verstehen, dass es zwei grundsätzlich unterschiedliche Systeme betrifft. Zur Ehrenrettung der KSK sei aber zugestanden, dass das durch die vorherige Korrespondenz auch nicht mehr nötig war. Es ist ja eine Antwort an mich und kein Entwurf für eine allgemeine Erläuterung...

Insofern bleibt mir ein Kritikpunkt: In der in Ziffer 1 des obigen Schreibens zitierten Vorschrift aus den AGB sind gerade nicht girocard UND girogo genannt. Dort ist explizit ausgeführt, dass die Sparkassencard eine Debitkarte ist. Und konsequenter Weise ist dort auch nur die girocard und das girocard-Logo aufgeführt. girogo (also die Geldkarte) ist eine Prepaid-Funktion, die dort NICHT geregelt ist.

Der KSK möchte ich für ihre freundliche und konstruktive Bemühung dennoch ausdrücklich danken.

Um der KSK Euskirchen Genüge zu tun, soll noch der letzte Kritikpunkt angesprochen und ausgeräumt werden. Anfang Dezember bekam ich diesbezüglich noch einmal ein Schreiben mit dem Inhalt, dass die Geldkarte doch in Ziffer I, Punkt 3 der "Bedingungen für die Sparkassencard" geregelt sei. Folglich habe ich das noch einmal nachgeprüft und dabei festgestellt, dass die immer von mir zu Grunde gelegte Passage nur ein Auszug aus der vollständigen Regelung darstellte. Besonders dumm (für mich) ist, dass hierauf tatsächlich in der Einleitung hingewiesen wird, ich das aber überlesen oder zumindest nicht bewusst wahrgenommen habe. Möglicherweise hätte es mir auch anhand nicht vorhandener Ziffern auffallen können. Aber zu meiner Ehrenrettung sei erwähnt, dass in vielen, überarbeiteten Vorschriften Ziffern weggefallen sind, ohne dass deshalb der gesamte Text neu durchnummeriert worden wäre. Daher habe ich der KSK nochmals eine Mail geschrieben und mich für diesen Lapsus entschuldigt:

[Sehr geehrte...]

inzwischen habe ich herausgefunden, worin unsere Differenzen bezüglich Ihrer AGB wurzeln:

Ich habe mich immer auf die von Ihnen kürzlich kommunizierte Fassung [der Änderungen] 2018 bezogen. Dort sind aber, wie ich gerade bei einem Vergleich mit der auf Ihrer Homepage veröffentlichten aktuellen Fassung festgestellt habe, nur Auszüge enthalten. Darauf wird sogar in der Einleitung hingewiesen, was ich aber übersehen hatte. Also kein Wunder, wenn ich die Regelungen zur Geldkarte nicht finden konnte, sie sind da nicht enthalten.
Es handelt sich also in diesem Punkt um einen Fehler meinerseits, zumindest aber um ein Missverständnis und ich möchte mich für den dadurch verursachten Aufwand entschuldigen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kollegen/Innen eine besinnliche Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest!

Nette Grüße
Gregor Jonas


© 2017 Gregor Jonas
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