Tschagguns / Schruns im Montafon
Vorarlberg, Österreich


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Mitte März 2006 war ich mit meinem Bruder für einige Tage in Österreich, genauer gesagt im Bundesland Vorarlberg im Montafon. Dort hatten wir in dem kleinen Ort Tschagguns ein Zimmer in einer kleinem Privatpension. Leider war das Wetter recht bescheiden, so dass ich immer noch nicht genau weiß, wie es da genau aussieht. Denn von den umliegenden Bergen war meist gar nichts zu sehen.

Wir sind die gut 600 km tatsächlich durch starken und unentwegten Dauerregen gefahren und auch in Tschagguns regnete es anfangs noch. Doch bereits am nächsten Tag schneite es mit Unterbrechungen für die gesamten vier Tage, wobei es dann am letzten Tag auch noch so richtig knackig kalt wurde.

Hier der Ausblick aus einem unserer Fenster in Richtung Tal. Diese sonnige Phase am Nachmittag dauerte schätzungsweise 10 Minuten. Aber immerhin...

 

Und diese einmalige Gelegenheit konnte ich doch nicht verstreichen lassen.

 

Im Sonnenschein sieht alles gleich viel freundlicher und fröhlicher aus.

 

Was mich etwas befremdet, ist die starke Zersiedelung der Landschaft. Anscheinend darf überall dort, wo Opa oder Oma ein Stückchen Alm besessen haben, ein Haus oder eine Hütte gebaut werden.

 

Der Ort (oder besser. die Orte) liegt an der Ill und ist recht hübsch anzuschauen. Es gibt auch einige sehenswerte Gebäude (z.B. die Kirchen). Aber wegen des Wetters sind die Fotos nicht so wirklich sehenswert. Also Schwamm drüber.

 

Nichts desto trotz gibt es in der Umgebung etliche große und schöne Skigebiete, die angefangen von einer Weltcupabfahrt bis zu Anfängerpisten alles bietet. Außerdem gibt es Rodelbahnen und präparierte Winterwanderwege. Hier die Gondelbahn von Schruns hinauf zum Hochjoch.

 

Und eine der vielen Sessellifte... Man beachte den starken Schneefall.

 

Von unserer Pension aus ging die Straße hinauf zur Latschau, von wo aus die Gondelbahn hinauf zum Golm führt. Ein gut ausgebautes Bussystem ist vorhanden.

 

Obwohl die Dächer immer mal wieder von ihrer Schneelast befreit werden, ist die Schneehöhe beträchtlich.

 

Der Schnee war reichlich und die Pisten recht weich und tief. Für geübte Skifahrer ein Paradies. Ich habe mich aber als ziemlich talentfrei erwiesen und mich dann aufs Wandern verlegt.

Vorher jedoch noch zwei Bilder vom Golm, die zeigen, welche Schneemassen dort gelegen haben.

 


 

Am letzten Tag habe ich mich dann alleine auf den Weg gemacht und meinen Bruder alleine Skifahren lassen. Allerdings war das mit der Prospektaussage der "bestens präparierten Winterwanderwege" so eine Sache. Ich war schon kurz nach 9 Uhr unterwegs, es war mit -15° C bitter kalt und es lagen unten gut 20 cm, weiter oben aber mehr als 30 cm frischer Pulverschnee. Einerseits ist es ein absolut herrliches Erlebnis, durch eine völlig unberührte Schneelandschaft zu laufen (es waren weder andere Wanderer / Skiläufer noch Pistenbullys zu sehen). Andererseits ist es ausgesprochen zäh und sehr anstrengend zu gehen.

Ich hatte mir die Route von der Latschau zur Lindauer Hüte ausgesucht, die im Prospekt mit 4,5 Stunden für den Hin- und Rückweg angegeben waren. Seltsamerweise zeigten die ersten Hinweisschilder des anscheinend gut ausgebauten, wenn auch kaum zu sehenden Weges 3 Stunden nur für den Aufstieg an. Wie gesagt, die Landschaft mit all dem Neuschnee war herrlich, die Einsamkeit eine wunderbare Erfahrung. Leider war von den umliegenden Bergen nicht wirklich etwas zu sehen.

Oben ist der Beginn des Weges zu sehen. Da dort noch einige Häuser stehen, gab es Spuren im Schnee. Aber die hörten ganz schnell auf.

 

Anfangs geht die Strecke an einem kleinen Bach entlang, der natürlich mit all dem Schnee herrlich anzusehen war.

 

Einmal war sogar ein klein wenig blauer Himmel zu sehen.

 

Ein kleines Kapellchen am Wegesrand, fast im Schnee versunken.

 

Das war übrigens der Weg. Wenigstens konnte man meistens noch so gerade erkennen, wo er her ging.

 

Ungefähr an diesem Punkt bin ich wieder umgekehrt. Da war ich noch etwa 1 Stunde von der Hütte entfernt. Aber nach fast 2 Stunden bergauf durch hohen Neuschnee war ich ziemlich nass geschwitzt, was zusammen mit den frostigen Temperaturen und einem oben unangenehm frischen und böigen Wind dazu führte, das mir allmählich kalt wurde. Und erfrieren wollte ich in der Einsamkeit dann lieber doch nicht. So machte ich mich dann wieder auf den Rückweg. Ungefähr eine halbe Stunde später kam mir dann der erste auf Skiern mit Fellbesatz entgegen. Und bis ich wieder unten in der Latschau angekommen war, begegneten mir doch noch einige Leute. Aber die konnten mir das Erlebnis, an diesem Tag der Erste auf diesem Weg gewesen zu sein, nicht mehr nehmen. Übrigens kam mir dann ganz am Ende des Weges auch die Pistenraupe entgegen und präparierte die Strecke...

Auch wenn wir jetzt inzwischen Ende März haben und ich mich -wie wohl die meisten anderen auch- jetzt auf den Frühling freue, sind doch die Erinnerungen an ein Schneeerlebnis der besonderen Art immer noch willkommen.

 


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(c) 2006 Gregor Jonas
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