Texturen anwenden

Bildbearbeitung: Umgang mit Texturen

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Was macht man mit Texturen? Und wie funktioniert das technisch?

Das wird hier kein Workshop für Photoshop. Es sollen nur Anregungen gegeben werde, wie das Prinzip funktioniert. Und die Anwendung geht mit jedem Bildbearbeitungsprogramm, das mit Ebenen arbeiten kann.

Was ist eine Textur? Im Bereich der Bildbearbeitung meint der Begriff Textur den Überzug eines Bildes mit anderen Bildelementen. Praktisch legt man zwei oder mehrere Bilder als Ebenen übereinander und transformiert sie so, dass sie gemeinsam sichtbar sind. Dazu bieten die Bildbearbeitungsprogramme verschiedene Transformationsmöglichkeiten an, die man den einzelnen Ebenen zuordnen kann z.B. "Überzug", "Multiplikation" und "Weiches Licht", um die gängigsten zu nennen. Diesen Transformationen ordnet man dann eine Transparenz oder Deckfähigkeit zu und bestimmt dadurch, wie stark sich diese Ebene im Gesamtbild bemerkbar macht.

Im obigen Beispiel ist die Schneefläche in der rechten unteren Ecke völlig konturlos, da der Bildkontrast zwischen Schnee und Hund auch für eine digitale Spiegelreflexkamera viel zu groß ist. Daher habe ich eine andere Schneefläche über das Originalbild gelegt. In der Regel kopiert man dieses Bild in die Zwischenablage und fügt es über dem Original als "Neue Ebene" ein. Dabei ist das Original zunächst nicht mehr zu sehen, da die eingefügte Ebene undurchsichtig ist. Jetzt kann man die Deckfähigkeit verringern und sieht dann beide Bilder. Im obigen Beispiel wurde danach mit dem Radierstift in der oberen Ebene (die mit dem konturierten Schnee) der Bereich über dem Hund wegradiert, so dass nur noch die Ecke unten rechts übrig geblieben ist. Danach habe ich die Deckfähigkeit der Ebene wieder so weit erhöht, dass obiges Ergebnis übrig blieb. Um die Übergänge genau zu treffen, sollte der Radierer mit weichen Kanten eingestellt werden. Sorgfältiges Arbeiten ist natürlich trotzdem nötig. Aber bei jedem Bild muss man hier ein wenig probieren.


Hier ein Beispiel ganz ohne Arbeit. Über das Original wurde lediglich eine Ebene mit der Textur gelegt, diese per "Multiplikation" zusammen geführt und über die Deckfähigkeit zum unteren Ergebnis angepasst.

Wo bekommt man passende Texturen her? Am schönsten ist es natürlich, wenn man eigene Bilder benutzt, die bei Bedarf beliebig bearbeitet werden können. Großflächige Strukturen wie z.B. eine Bruchsteinmauer, ein Sandstrand o.ä. sind besonders geeignet. Aber der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Man kann sich Texturen aber auch im Internet herunter laden. Doch Vorsicht: Auch Texturen unterliegen dem Urheberrechtsschutz. Man sollte sie also nur verwenden, wenn sie ausdrücklich als frei verwendbar gekennzeichnet sind!


Hier kann man gut erkennen, wie dem Hintergrund dezent eine Raufaserstruktur übergestülpt wurde. Das eigentliche Bildelement wurde mit dem Rasierstift freigestellt.


Das Schneckenhaus wurde hier mit einem Bild überlagert. Welche Methode dabei am besten passt, muss man ausprobieren, da es dabei ganz auf das Motiv ankommt.

Damit man sich in etwa vorstellen kann, wie das Ergebnis zustande kommt, hier das Texturbild.


In der Regel bieten die Bildbearbeitungsprogramme vorgefertigte Texturen an. Hier wurden nicht einmal Ebenen verwendet. Die Software macht das alles in einem Schritt. Das untere Bild ist lediglich die Komplementärfarbe des mittleren.


Um das Prinzip des Radierens noch einmal deutlich zu machen, dient dieses Beispiel. Hier habe ich zwei Mal das gleiche Bild übereinander gelegt. Ein Mal in den Originalfarben und darunter in der Farbumkehr. In der originalfarbenen oberen Ebene wurde unten mit dem Radierstift ein "Loch" radiert, so dass die untere Ebene zum Vorschein kam. Die blauen Ziegel wurden lediglich mit dem rechteckigen Auswahlwerkzeug markiert und dann gelöscht. Der Effekt ist der Gleiche wie beim Radieren.

In diesem Fall kommt man auch über "Ebene duplizieren" zu einer zweiten, identischen Ebene. Diese kann man dann als Negativbild in die Komplementärfarben umwandeln.

Tipp am Rande: Das hat jetzt nichts mit Texturen zu tun, ist aber ebenfalls oft hilfreich. Kontrastarme oder zu hell geratene Bilder kann man duplizieren und dann mit "Weiches Licht" oder "Multiplikation" bearbeiten. Dadurch werden sie dunkler und vor allem kontrastreicher, ohne dass dunklere Bildteile gleich absaufen. Mit der Deckfähigkeit kann der Effekt exakt so gesteuert werden, dass das gewünschte Ergebnis erzielt wird. Sollten dennoch dunkle Teile "abgesoffen" also zu konturlosen dunklen Flächen verkommen sein, kann man diese Teile in der oberen Ebene wieder frei radieren und damit den ursprünglichen Bildinhalt für diesen Bildteil wieder hervorholen.


Texturebenen können beliebig übereinander gelegt werden. Hier wurde das Original zuerst mit der Ziegeltextur überlagert und die Blüte freiradiert. Dann kam noch eine weitere Ebene mit einer Tapetenstruktur darüber, die dann als "weiches Licht" ohne weiteres Radieren die beiden anderen Ebenen komplett überzieht.


Mit mehreren Ebenen wurde auch dieses Bild erzeugt. Die Struktur stammt als "Überzug" aus einer Ebene, während die Braunfärbung aus einer dritten Ebene stammt. Die Blüten sind frei radiert, zumindest teilweise, um den Kontrast zum Hintergrund nicht zu groß werden zu lassen. Zusätzlich wurden die Ränder mit einer leichten Vignettierung etwas abgedunkelt.


Die gleiche Vorgehensweise wie im Beispiel zuvor.


Das Ergebnis muss nicht immer augenfällig sein. Wenn der Hintergrund im Grunde genommen schon sehr gut ist, reichen die beschriebenen Effekte, wenn man sie minimalistisch anwendet, völlig aus. Der Betrachter muss nicht unbedingt auf die Idee kommen, dass hier nachbearbeitet wurde.


Auch in diesem Fall ist der Effekt sparsam eingesetzt worden. Die Blüte wurde im Zentrum ein wenig freigestellt, die Ränder sind mit der Textur überzogen, wodurch sich ein gemäldehafter Eindruck ergibt.


Hier wurden die Blüten ebenfalls durch radieren freigestellt und der Hintergrund recht dezent verändert.


Der Hintergrund ist hier furchtbar langweilig. Daher konnte er kräftig verändert werden, die Deckfähigkeit der Texturebene liegt bei 100%. Der Tropfen liegt zentral in der Bildmitte und ist in seiner Wirkung so dominant, dass der Hintergrund in diesem Fall nicht zu ablenkend wirkt. Eine Abdunklung der Ränder rundet das Ergebnis ab.


Wenn das Motiv es hergibt, kann der Hintergrund auch als eigenständiges Gestaltungselement dienen. Hier ist er bereits so deutlich verändert, dass die Wirkung sich völlig vom Original unterscheidet. Die Blütenblätter dieser Sternmiere gehen in den Hintergrund über. Die Freistellung hebt die Blüte hebt sie einerseits deutlich vom Hintergrund ab, andererseits ist sie durch die Blütenspitzen damit verbunden, wodurch sich wieder einen gesamtheitliche Wirkung ergibt.


Hier ist der Hintergrund bewusst stark verändert, so dass sich der Eindruck einer Grafik ergibt. Dafür wurden wiederum zwei verschiedene Texturen übereinander gelegt. Wie man diese Gestaltung erreicht, sollte man ausprobieren, da die Möglichkeiten unbegrenzt sind. Der Tropfen ist freiradiert und hebt sich daher fast dreidimensional vom Hintergrund ab.


Durch den Einsatz einer Textur wurde hier eigentlich nur das Rauschen des Hintergrundes kaschiert.


Um zu zeigen, wie sich das Ergebnis durch den Einsatz unterschiedlicher Texturen verändert, habe ich dem Original drei unterschiedlich bearbeitete Versionen beigefügt. Das erste der bearbeiteten Bilder wurde mit einer Bruchsteinmauer mit Efeubewuchs überlagert. Darunter kam eine Steinoberfläche zum Einsatz. Über das dritte Foto wurde unten zusätzlich noch eine relativ fein strukturierte Tapete in dunkelbraun gelegt, um die Hintergrundfarbe zu ändern. Die Blüte wurde jeweils freigestellt.


Auch hier kamen mehrere Texturen übereinander sowie eine leichte Vignettierung zum Einsatz.


Mit "weichem Licht" wurde die oben schon erwähnte Steinoberfläche über das Original gelegt. Der "Blondschopf" des Insekts wurde freiradiert und leuchtet in der jetzt dunkleren Umgebung deutlicher auf.


Das Schema sollte jetzt klar sein.





Der Sonnenaufgang hier zeigt schöne Farben und der noch unbelaubte Baum gibt dem Bild ein wenig Struktur. Darüber hinaus ist das Bild wenig überzeugend. Der Hintergrund ist, weil ich auf den Baum fokussiert habe, unscharf und Wolken, die etwas Dynamik hineinbringen könnten, fehlen.

Zuerst habe ich oben links die Schatten entfernt und dann mittels "Überzug" eine Texturebene darüber gelegt. Diese mit einer Deckfähigkeit von ca. 50% versehen bringt die Farben erst so richtig zum Leuchten und verleiht dem Bild den Charakter einer Seidenmalerei. Drum herum eine leichte Vignettierung sowie der Rahmen und fertig ist das Ergebnis in der Mitte. Darüber noch einmal eine weitere Textur gelegt, die ebenfalls als "Überzug" mit etwa 50% Deckung eingestellt wurde und das endgültige Ergebnis war fertig.


Nun, ich hoffe, es waren einige Anregungen dabei, auch wenn es kein "Klicken Sie zuerst hier und dann da und da" Kochrezept ist. Das Wichtigste ist, dass man sich die Arbeit mit Ebenen anschaut und den verschiedenen Möglichkeiten, die Ebenen zu mischen. Unverzichtbares Werkzeug dabei ist dann noch der Radierstift. Der Rest besteht aus Ausprobieren.

Viel Spaß beim Nachmachen!


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(c) 2010 Gregor Jonas
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