Kameratest Sony Alpha 100


Im Oktober hatte ich die Gelegenheit, für einige Tage die Sony Alpha 100 zu testen. Die Kamera war mit einem 18-70mm 3,5-5,6 Objektiv ausgestattet.

Nach den im Internet vorzufindenden Tests erwartete ich eine sehr gute Spiegelreflexkamera und war dementsprechend neugierig auf die ersten eigenen Ergebnisse.

Die Kamera erwies sich als recht einfach zu bedienen, für mich als Digicam-Vielnutzer stellte sich aber schnell die Frage, ob das schon alles sein kann, was Drehknöpfe und Menü zu bieten hatten. Die Bedienung war recht gewöhnungsbedürftig, mit Hilfe der (entsprechend der Einstellmöglichkeiten) sehr knappen Bedienungsanleitung aber innerhalb weniger Minuten zu verstehen. Nur ein Beispiel zur Bedienungsanleitung: Die angaben zur Makrofotografie beschränken sich darauf zu erläutern, welche Position der Drehsschalter haben muss und das man damit scharfe Ergebnisse erzielen kann.

Das Objektiv ist kompakt, recht schmal und vermittelt kein angenehmes Gefühl in der Hand. Dazu ist die Riffelung des sehr harten Gummiüberzugs zu fein. Dazu ist der Drehzoom schwergängig, aber immerhin exakt und gut zu bedienen. Was mich persönlich stört, ist die Position des manuellen Fokussierrings. Dieser sitzt ganz vorne und ist so schmal, dass man schon an der Sonnenblende drehen muss. Überhaupt scheint die Kamera nicht für Menschen mit großen Händen gemacht zu sein. Der Auslöseknopf sitzt nicht vorne sondern oben auf der Kamera, so dass eine entspannte Haltung nicht möglich ist. Allerdings muss das ja nicht heißen, dass andere hierin einen Nachteil sehen. Das Gehäuse selbst macht einen robusten Eindruck, das Display ist gut lesbar, leider fehlt ein Live-View Modus. Da das Display völlig ungeschützt ist, reibt es beim Tragen der Kamera um den Hals mittels Gurt an der Kleidung. Deshalb sollte man es mit einer entsprechenden Folie schützen.

Mit den erforderlichen  Grundkenntnissen ausgestattet, ging es dann nach draußen, um Testbilder zu machen. Was unten folgt, sind nicht die Rohbilder. Die eingestellten Ergebnisse sind alle bearbeitet worden, weil ich meine Fotos immer so einstelle, wie ich sie gerne hätte. Allerdings "vergewaltige" ich die Originale nicht, so dass man durchaus sehen kann, worauf ich hinaus will.


Der Landschaftsmodus funktioniert einwandfrei, das Rauschverhalten ist aber gerade bei wenig Licht der auch bei großflächigem Blau viel schlechter, als ich nach den gelesenen Tests vermutet hätte.


Immerhin lassen sich die Ergebnisse sehen, auch wenn immer die letzte Schärfe fehlt.


Hier in dieser Auflösung nicht zu sehen: Das Rauschen im Blauanteil ist deutlich zu sehen. Einen Unterschied zwischen der zuschaltbaren Rauschunterdrückung und einem nicht entrauschten Bild konnte ich nicht ausmachen.


Die Serienbildfunktion ist mit über drei Bildern pro Sekunde recht flott. Allerdings zeigt sich, dass die Kamera, zumindest in Kombination mit dem verwendeten Objektiv, ziemlich lichtschwach ist. Während in der Sonne ein recht ansehnliches Ergebnis heraus kommt, ist bei etwas schwächerem Licht (s.u.) das Bild schon als fast unbrauchbar zu bezeichnen.


Überhaupt bin ich gerade von den Serienbildern ziemlich enttäuscht. So richtig scharf war keines der Bilder, trotz Sportmodus. Eine Fokussierung während der Aufnahme scheint nicht vorgenommen zu werden.


Der Kontrast im unteren Bildteil (Spiegelung) wurde von mir verstärkt.


An einem trüben Spätnachmittag aufgenommen. Es war aber beileibe nicht dunkel. Trotzdem war es nicht möglich, von den Hunden eine scharfe Aufnahme hinzubekommen.


Dafür sind Blitzaufnahmen, wenn man nicht mehr als ein paar Meter entfernte Motive hat, klar und das Weiß hier auch nicht überstrahlt.


Sobald die Sonne scheint und es hell genug ist, erhält man farbenfrohe und auch scharfe Aufnahmen.


Wenn das Licht schwindet, wird es für die Alpha 100 aber schon schwieriger. Die Bildstabilisator hilft da auch nicht viel. Zumindest gefühlt ergibt sich kein nennenswerter Effekt. Man beachte den völlig konturlosen, weil überstrahlten Hintergrund.


Ein Schnappschuss der zeigt, dass bewegte Objekte nicht zu den Stärken der Kamera gezählt werden können.


Auch hier zeigt sich, dass der Dynamikumfang nicht wirklich bemerkenswert groß ist. Sony verspricht zwar, mit drei verschiedenen Einstellungen den Dynamikbereich optimieren zu wollen, aber in der Praxis sieht man, dass die Bäume fast schwarz sind und der Himmel rein weiß. Wahrscheinlich haben die meisten Kameras hier Probleme. Aber die versprochene Optimierung konnte ich auch nicht ausmachen.

Hier das gleiche Bild als Nachweis unbearbeitet (bis auf die Größe natürlich). Während das Grün und der Weg korrekt belichtet sind, erscheinen der Himmel sowie die Bäume konturlos. Zugegebener maßen ist das aber auch keine ganz einfache Belichtungssituation.


Unproblematische Belichtungsverhältnisse hingegen werden gut abgebildet. Aber auch hier fehlt mir die letzte Schärfe.


Um noch einmal zum Problem des Dynamikumfangs zurückzukommen: Berner Sennenhunde sind ein sehr problematisches Motiv. Ich habe es bei Sonne aber mit keiner Einstellung geschafft, ein vernünftig belichtetes Foto zu machen, auf dem die Blässe nicht überstrahlt wiedergegeben wird.


Dieser Sonnenuntergang ist gut gelungen. Aber auch hier musste ich im Nachhinein das Bild erst per Software entrauschen.


Ein aus zwei Bildern zusammengesetztes Foto. Auch hier zeigt sich im Original, dass die Schärfe mangelhaft ist.


Hier ein Ausschnitt aus dem oberen Bild in Originalauflösung.


Die autofokussierten Makroaufnahmen haben mich allesamt nicht überzeugt. Mit manueller Scharfeinstellung bekommt man aber gute Ergebnisse. Mit Hilfe einer Spot-Belichtungsmessung kommen dann auch solche Fotos zustande. Die Alpha 100 wird zwar ausdrücklich als Amateurkamera platziert, aber man sollte trotzdem genau wissen, was man wie und warum macht. Einfach auf Automatik stellen und losknipsen ergibt dann halt auch Amateurergebnisse.


Auch hier wurde die Spotmessung verwendet.


Manuell fokussiertes Herbstlaub. Hier kann ich nicht meckern :-)


Eine Blitzaufnahme im Wald. Wieder neigt die Blässe der Hunde zum Überstrahlen und die Augen reflektieren ohne die Vorblitzfunktion den Lichtstrahl.


Zum Abschluss noch ein Portrait meines Neffen Dorian. Das ist mit dem eingebauten Blitz und dem entsprechenden Portrait-Programm bei 70.. Brennweite aufgenommen. Das Bild ist lediglich verkleinert und ansonsten unbearbeitet. Hier gibt es nichts zu mäkeln.


Fazit:

Alles in allem war ich nach den hohen Erwartungen, die die Testberichte in mir geweckt hatten, fast durchweg enttäuscht. Das ist meine persönliche Erfahrung, offenbar haben andere auch andere Ergebnisse erzielt. Aber das Rauschverhalten, die Lichtschwäche und der mangelnde Dynamikumfang zusammen mit der sehr durchschnittlichen Schärfe der Bilder im Autofokusmodus haben mich davon überzeugt, diese Kamera nicht zu kaufen.

Das es dabei dennoch möglich ist, sehr gute Bilder zu machen, ist hoffentlich aber ebenfalls rüber gekommen. Doch die Ergebnisse sind zu unterschiedlich bei den einzelnen Anforderungen, um für mich überzeugend zu sein.


(c) 2008 Gregor Jonas
http://www.gregor-jonas.de