Speichervolumen von Flashkarten und USB-Sticks


Wer besitzt nicht mindestens eines dieser kleinen Wundergeräte: USB-Speichersticks, MP3-Player oder Flashkarten für PDA oder Digitalkamera?

Wenn man bedenkt, mit welcher Geschwindigkeit die Speicherkapazität in den letzten Jahren zugenommen hat, kann man eigentlich nur noch staunen. Vor wenigen Jahren hatten Festplatten noch 512 Megabyte Speicherplatz. Das galt bereits als viel und die Platte an sich war ein schwerer, unförmiger Brocken, der im PC verstaut werden musste. Heutzutage lassen sich mehrere Gigabyte auf USB Sticks, in MP3-Playern oder auf den Chips von Fotokameras bequem in der Jackentasche durch die Landschaft tragen. Selbst Handys – bei denen die Foto-Funktion noch vor kurzem wenig mehr als ein netter Zeitvertreib war – machen nun mit fortschreitender Speicherkapazität vergleichsweise hoch aufgelöste Fotos.

Diese Speichermedien haben eine bestimmte Kapazität, sprich, ein angegebenes Speichervolumen. Bis vor kurzem wurde die Kapazität mit 64 - 128 - 256 - 512 - 1024 Megabyte angegeben. Die "krummen" Werte stammen aus dem binären Zahlensystem, da letztlich immer nur Nullen und Einsen abgelegt werden. Eine Speicherzelle hat immer entweder den Zustand "Null" oder "Eins". Das nennt man ein "Bit". Um damit einfacher arbeiten zu können, wurde bereits zu Beginn des digitalen Zeitalters das Byte definiert als ein "Wort" von 8 Bit und berechnet sich als 2 hoch 8. Hat man 1024 Byte, nennt man das Kilobyte. Durch die Berechnung als Potenz von 2 ergeben sich die vorne angegebenen Speichervolumina.

Als ich jedoch kürzlich 2 GB (Gigabyte) Speicherkarten kaufte, stellte ich fest, das dort lediglich 1000 MB und nicht 1024 MB draufpassten. Also 24 MB weniger als angenommen. Und da auf 24 MB immerhin ein paar Fotos draufpassen, fragte ich beim Hersteller der Karten nach, woher denn diese Differenz stammt. Die Antwort ist weiter unten ebenso aufgeführt wie eine darauf folgende mail an die NRW-Verbraucherberatung (Antwort steht noch aus).

Zur Antwort der Herstellerfirma nur folgendes  zur Ergänzung:

  1. Warum wird denn bis 2 GB das binäre System benutzt und ab da das dezimale?
  2. Warum wird man als Verbraucher nicht darauf hingewiesen?
  3. Und wenn schon das dezimale Berechnungssystem benutzt wird, wird dann auch das Kilobyte und Megabyte entsprechend berechnet? Denn dann wäre die Differenz ja noch größer. Da das aber offensichtlich nicht so ist, frage ich, warum denn eine "Mischberechnung" erfolgt und wer das verstehen soll?

Irgendwie fühle ich mich etwas verschaukelt.

Nachfolgend der bisherige Schriftverkehr mit der Herstellerfirma Ultron und der Verbraucherberatung NRW. Ich möchte aber ausdrücklich betonen, das dies nicht die alleinige Praxis der Firma Ultron ist sondern wohl von allen Speicherherstellern so gehandhabt wird.:


06.04.2006

Flashcard Ultron High Speed SD 2 GB


Sehr geehrte Damen und Herren,

vor zwei Tagen erwarb ich o.g. Speicherkarte (3 Stück). Erstaunt musste ich feststellen, das die verfügbare Speicherkapazität nicht, wie auf der Karte und im Produktdatenblatt angegeben, 2 GB (Gigabyte), sondern (und das auch nur knapp) 2.000 MB (Megabyte) beträgt.

Wie Ihnen sicher bekannt ist, ist die Maßeinheit Gigabyte per Definitionem 2.048 Megabyte (die wiederum je 1.024 Kilobyte enthalten).

Folglich ist die Speicherkapazität der erworbenen Karte fast 50 MB kleiner als angegeben, was mich nicht wenig verärgert hat. Für mich sieht das nach bewusster Täuschung aus.

Daher bitte ich
a) um Ihre Stellungnahme und
b) um Mitteilung, in welcher Form ich an die fehlende Speicherkapazität komme. Immerhin fehlen mit 150 MB.

Mit freundlichen Grüßen

Gregor Jonas


21.04.2006

Sehr geehrter Herr Jonas

Vielen Dank für Ihre Anfrage.

Entschuldigen Sie, dass wir Ihnen jetzt erst antworten. Es ist momentan einiges zu erledigen.

Anbei finden Sie die Tabelle für die Definition der Speichergrößen: 

Bit

b

0 or 1

Byte

B

8 bits

Kilobit

kb

1000 bits

Kilobyte (binary)

KB

1024 bytes

Kilobyte (decimal)

KB

1000 bytes

Megabit

Mb

1000 kilobits

Megabyte (binary)

MB

1024 Kilobytes

Megabyte (decimal)

MB

1000 Kilobytes

Gigabit

Gb

1000 Megabits

Gigabyte (binary)

GB

1024 Megabytes

Gigabyte (decimal)

GB

1000 Megabytes

Terabit

Tb

1000 Gigabits

Terabyte (binary)

TB

1024 Gigabytes

Terabyte (decimal)

TB

1000 Gigabytes

Petabit

Pb

1000 Terabits

Petabyte (binary)

PB

1024 Terabytes

Petabyte (decimal)

PB

1000 Terabytes

Exabit

Eb

1000 Petabits

Exabyte (binary)

EB

1024 Petabytes

Exabyte (decimal)

EB

1000 Petabytes

Speicherhersteller gehen von Dezimalwerten aus und Sie sehen das 1 Gigabyte = 1000 Megabyte. Betriebssysteme basieren auf binären Werten (1 Gigabyte = 1024 Megabyte). Somit kommt es auch zu Stande, dass weniger Speicherkapazität zur Verfügung steht.

Sincerly Yours

Meilleures Salutations

Mit freundlichem Gruß


21.04.2006

Hallo,

sonderlich befriedigend ist die Zweiteilung der Speicherdefinition aber
nicht.
Gerade dann, wenn man die Größe Ihrer Karten bis 1 GB betrachtet sieht man,
das Sie dort von der "binären" Definition ausgehen.

Warum dann der plötzliche - und für den Kunden nicht erkennbare -
Definitionswechsel ab 2 GB?

Irgendwie fühle ich mich nach wie vor leicht verschaukelt.

Dennoch ein schönes Wochenende
Gregor Jonas
 

Sehr geehrter Herr Jonas

Ich verstehe Ihre Argumentation. Wenn Sie sich die Speichergröße Ihrer
Festplatten anschauen, dann werden Sie das selbe Problem entdecken.

Sincerly Yours

Meilleures Salutations

Mit freundlichem Gruß


21.04.2006

E-Mail an die Verbraucherberatungszentrale Euskirchen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

offensichtlich scheint es gängige Praxis der Speichermedienhersteller, die Größe ihrer Speichermedien "schönzurechnen".

Soweit ich das für meinen Bereich beurteilen kann, werden kleinere Speichereinheiten in der richtigen (binären) Größe gefertigt (64 - 128 - 256 - 512 - 1024 Megabyte).

Aber etwa ab der Größe 1 - 2 Gigabyte wird der Speicher plötzlich in dezimalen Einheiten angegeben (2 Gigabyte = 2000 Megabyte). nach obiger Rechnung müsste die Speicherkapazität jedoch 2048 Megabyte betragen. Folglich werden 48 Megabyte weniger geliefert als suggeriert wird.

Und da letztlich auf der CeBit bereits USB-Sticks mit 8 Gigabyte vorgestellt wurden, beträgt dort die Differenz wahrscheinlich 192 Megabyte pro Stick.

Ich finde, diese Differenz ist einfach zu groß, um sie einfach zu übersehen. Hierauf müssten die Hersteller doch zumindest hinweisen!

Ist dieses Problem bei Ihnen bekannt?

Ich habe in einem konkreten Fall die Firma Ultron (http://www.ultron.de/) um eine Stellungnahme gebeten und (auszugsweise) folgende Antwort erhalten:

"Speicherhersteller gehen von Dezimalwerten aus und Sie sehen das 1 Gigabyte = 1000 Megabyte. Betriebssysteme basieren auf binären Werten (1Gigabyte = 1024 Megabyte). Somit kommt es auch zu Stande, dass weniger Speicherkapazität zur Verfügung steht."

Diese Antwort steht aber im Widerspruch zu deren Speicherkartengrößen bis 1 Gigabyte (siehe deren HP und die obige Aufzählung).

Für mich ist das eine bewusste Täuschung des Verbrauchers. Wie sehen Sie das?

In Erwartung Ihrer Antwort wünsche ich Ihnen ein sonniges Wochenende.

Gregor Jonas


09.05.2006

Anruf der Verbraucherberatungsstelle Euskirchen: (Ich bin netterweise zwei mal tel. mit Zwischenergebnissen versorgt worden!)

Meine Mail wurde nach Düsseldorf in die Zentrale der Verbraucherberatung weitergeleitet, da die Problemstellung zu spezifisch gewesen ist. Der dortige Experte ist zusammenfassend zu folgendem Ergebnis gekommen. Leider gibt es keine schriftliche Stellungnahme.

  1. könnte es sich hier um einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht handeln. Dann müsste sich ein Hersteller anderen Herstellern gegenüber einen wettbewerbsverzerrenden Vorteil verschaffen. Aber es sei hier kein wesentlicher Verstoß zu erkennen. (Anm. von mir: Ist ja auch nicht möglich, das offenbar alle Hersteller die gleichen Rechenkünste anwenden).
  2. könnte ein Verstoß gegen das Kaufrecht vorliegen. Dann müsste ein wesentlicher Sachmangel und / oder eine bewusste Kundentäuschung vorliegen. Offensichtlich ist dieser Experte der Auffassung, dass etwa 4 % unterschlagene Speicherkapazität keinen wesentlichen Sachmangel darstellen. Seine Begründung: Die Speicherkapazität würde sowieso nie völlig ausgenutzt.

Na ja, mit so etwas war wohl zu rechnen. Die Verbraucherberatungsstelle wird in dieser Sache nichts weiter unternehmen und für einen privaten "Feldzug" ist die Sache viel zu ungewiss. Und da ja der Schaden nicht sehr hoch ist, wird sich niemand hier weiter engagieren.

Was halten Sie davon? Rege ich mir zu Unrecht auf? Schreiben Sie mir doch eine Mail mit Ihrer Meinung.


P.S.

Nachtrag 2012: Inzwischen ist mir aufgefallen, dass in Werbeprospekten auf die Umrechnungsmethode 1000 MB = 1 GB hingewiesen wird und damit indirekt die o.g. angemeckerte falsche Berechnung der Speicherkapazität zugibt.


(c) 2006 Gregor Jonas
http://www.gregor-jonas.de