Private Krankenversicherung und die Beitragsrückerstattung

Kosteneinsparung mit Hindernissen


2013 wechselte auch meine Frau in die private Krankenversicherung, mit der wir auch sehr zufrieden sind. Daher die folgende Anekdote ohne Nennung des Versicherungsnamens. Aber die Geschichte ist doch zu schön, um sie unerzählt zu lassen.

Alles begann damit, dass ich, wohl wissend, dass noch etliche weitere Rechnungen folgen werden, Anfang 2014 einen ersten Kostenerstattungsantrag an unsere private Krankenversicherung (PKV) stellte. Dieser wurde auch ordnungsgemäß bearbeitet und der entsprechende Betrag erstattet. Zusätzlich erhielten wir eine freundliche Information darüber, dass eine Beitragsrückerstattung (BRE) zu diesem Zeitpunkt günstiger gewesen sei. Das gekürzte Schreiben:

Beitragsrückerstattung (BRE) 2014 für Agathe Jonas

Sehr geehrter Herr Jonas,

wir haben eine gute Nachricht für Sie:
Obwohl Sie mit Ihrem Leistungsantrag vom 04.02.2014 für Agathe Jonas
Versicherungsleistungen für das Jahr 2014 beantragt und erhalten haben (siehe beiliegende Leistungsmitteilung), können Sie noch die für Sie höhere BRE nutzen.

Wie funktioniert die Beitragsrückerstattung normalerweise?
Sind für ein Kalenderjahr nur geringe Behandlungskosten angefallen, haben Sie die Möglichkeit, anstelle von Versicherungsleistungen die höhere BRE zu nutzen, indem Sie die Rechnungsbelege nicht zur Erstattung einreichen.
Auch für die Versichertengemeinschaft bringt das Vorteile: In der Leistungsbearbeitung werden wir von vielen kleinen Anträgen entlastet und können so unsere Verwaltungskosten niedrig halten.

Verschenken Sie also kein Geld!
Durch die Versicherungsleistungen in Höhe von xx EUR wäre der Anspruch auf BRE erloschen. Da die zu erwartende BRE *) in Höhe von xx EUR die gezahlten Leistungen übersteigt, möchten wir Ihnen gerne entgegenkommen und werden folgendermaßen verfahren:
Wenn Sie keine weiteren Rechnungen mit Behandlungskosten aus 2014-mehr einreichen, werden wir Ihnen den Differenzbetrag zwischen BRE *) und Versicherungsleistungen in Höhe von xx EUR zum Auszahlungstermin der BRE für 2014, Anfang September 2015, automatisch überweisen, sofern die übrigen Voraussetzungen für die BRE dann erfüllt sind. [...]

Nutzen Sie Ihre Chance auf BRE auch in Zukunft!
Die Verrechnung von Versicherungsleistungen mit der BRE können wir nicht regelmäßig zugestehen. Unser Tipp: Sammeln Sie bitte Ihre Belege im Laufe des Jahres und reichen Sie uns diese erst dann zur Erstattung ein, wenn Sie absehen können, dass die Versicherungsleistungen höher sind bzw. der Erhalt von Versicherungsleistungen für Sie insgesamt vorteilhafter ist als die BRE.
PS: Sollte für Sie jedoch schon abzusehen sein, dass höhere Versicherungsleistungen anfallen werden, betrachten Sie dieses Schreiben bitte als gegenstandslos.

Mit freundlichen Grüßen

Soweit die Fakten. Obiger Hinweis wird im Laufe eines Versicherungsverlaufs nur einmalig gegeben. Das alleine wäre ja unproblematisch. So etwas lässt sich ja merken, zumal dann, wenn man selbst bereits seit vielen Jahren privat krankenversichert ist. Aber wie hoch ist die BRE, die man zu erwarten hat? Und wie berechnet man aus der Höhe der zu erwartenden BRE die Höhe der Rechnungen, bis zu der sich eine BRE auch lohnt?

Die zweite Frage kann man sich natürlich auch selbst beantworten, wenn man den entsprechenden Dreisatz findet. Aber die erste Frage ist gar nicht so trivial wie sie zu sein scheint. Denn nicht alle Tarife, die man abgeschlossen hat, werden berücksichtigt. Und die Höhe der BRE selbst wird seitens der PKV jährlich neu beschlossen!

Also habe ich eine nette E-Mail mit diesen Fragen gestellt und gleichzeitig angeregt, die Höhe der BRE mit aufzuführen, sofern eine Änderungsmitteilung der Beiträge ohnehin verschickt wird. Erfahrungsgemäß kommt so etwas ziemlich sicher mindestens einmal jährlich vor und so entstünden weder Druck- noch Versandkosten zusätzlich. Leider musste ich diese Fragen in ein Internetformular schreiben, auf das ich zwar eine Eingangsbestätigung erhielt, leider aber nicht den Inhalt meiner Fragen. Daher nur aus dem Gedächtnis nacherzählt. Datum der Mail und der Eingangsbestätigung : 11.02.2014.

Eine kurze Nachfrage per Mail später (17.02.) kam dann die Antwort per Post. Und abgesehen davon, dass darin meine Fragen gar nicht alle beantwortet wurden, habe ich mich gefragt, warum man eine Anfrage per Mail kostenpflichtig per Post beantworten muss. Immerhin geht es bei dem Thema BRE ja um Kosteneinsparung ;-)

Hier erst mal die Antwort meiner PKV:

Beitragsrückerstattung (BRE) Ihre E-Mail vom 11. Februar 2014

Sehr geehrter Herr Jonas,

gerne informieren wir Sie über die BRE.

Für das Kalenderjahr 2014 wurde folgende BRE beschlossen:
-4 durchschnittliche Monatsbeiträge für die Haupttarife B, B20K, N, NW, N-SB, NW-SB, Nmed sowie Tarif WL .
-1 durchschnittlichen Monatsbeitrag für die Ergänzungstarife BC, BG, NC, NG.
Aus Verwaltungskostengründen ist eine Ausweisung der BRE, welche für jedes Jahr neu beschlossen wird, nicht vorgesehen. Sie kann aber jederzeit nachgefragt werden.

Der einheitliche Auszahlungstermin der BRE ist jeweils Anfang September (des Folgejahres). Sie brauchen sich um nichts zu kümmern. Wir überweisen automatisch, sofern dann alle Voraussetzungen zur Teilnahme erfüllt sind. Einige Tage vor Überweisung des Geldes werden wir Sie schriftlich informieren.

Wir empfehlen Ihnen, Belege zu sammeln und erst dann zur Erstattung einzureichen, wenn Sie absehen können, dass die Versicherungsleistungen über der zu erwartenden BRE liegen bzw. der Erhalt von Versicherungsleistungen für Sie insgesamt von Vorteil ist.
Bitte beachten Sie, dass für die Verbuchung bei uns das Datum der Behandlung oder des Bezugs von Arzneimitteln aus der Apotheke maßgebend ist. Bei Hilfsmitteln (z. B. Brillen) ist das Datum der Bestellung ausschlaggebend. Das Rechnungsdatum ist irrelevant. [...]

Tja, daraufhin konnte ich quasi gar nicht anders, als erneut nachzufragen. Vorstehende Antwort sowie meine Nachfrage beide vom 20.02.2014:

Hallo Frau XX,

Ihre Antwort auf meine Fragen habe ich heute erhalten.

Warum beantworten Sie eine per Mail gestellte Frage kostenintensiv schriftlich? Das passt so gar nicht zu der Strategie der Kostenvermeidung ;-)

Meine Frage, wie man die Höhe der einzureichenden Rechnungen ermittelt, ab der sich eine BRE nicht mehr lohnt, wurde überhaupt nicht beantwortet.

Meine Frage, wie hoch die BRE sei, wurde zu 50% beantwortet. Die Berechnung kenne ich jetzt. Wäre die Ausweisung der beiden Beträge nicht ebenfalls möglich gewesen? Ist jetzt aber nicht mehr nötig.

Meine Anregung, die Höhe der BRE auszuweisen wurde zwar beantwortet, allerdings ist die Antwort unzutreffend und daher bitte ich, darüber wenigstens ernsthaft nachzudenken.

Die zur Ausweisung erforderlichen Zahlen liegen Ihnen vor bzw. sind in Datenbanken abrufbar. Ansonsten könnten Sie ja auch nicht prüfen, ob ein Erstattungsanspruch besteht und in welcher Höhe dieser auszuzahlen ist. Änderungen bei den Beiträgen werden ohnehin IMMER schriftlich an Ihre Kunden verschickt. Hierbei eine kurze Information über Auswirkungen bei der
BRE mit einzubinden würde eine einmalige Anpassung des Computerformulars erfordern und ansonsten weder Papier noch Druck- und Versandkosten nach sich ziehen.

Ihr Argument, durch die Ausweisung des Betrages einer BRE würden Verwaltungskosten entstehen, ist daher nicht stichhaltig. Im Gegenzug wäre eine kundenfreundliche Information im oben beschriebenen Sinne ein starker Anreiz, die BRE verstärkt in Anspruch zu nehmen. Ich gehe davon aus, dass eine Ausweitung der BRE-Inanspruchnahme nicht gewünscht ist, ansonsten würde nichts gegen meinen Vorschlag sprechen.

Freundliche Grüße von einem Kunden, der nach Ihrer Antwort mehr Fragen als vorher hat,

Gregor Jonas

Und weil die Antwort mal wieder lange auf sich warten ließ, erlaubte ich mir eine kurze Erinnerung am 10.03.2014. Ich finde, meine Geduld sollte hier mal hervorgehoben werden :-)

Was mich allerdings zu der ganzen Ausführung bewogen hat, war die Zwischennachricht, die ich per Post (!) später ebenfalls am 10.03.2014 erhielt und mit der ich noch um ein wenig Geduld gebeten wurde. Gut, meine Nachfrage hatte sich da mit dem Zwischenbescheid überschnitten. Aber wie kann man denn auf die oben gelb hervorgehobene Frage [wieder] eine postalische Zwischenantwort geben? Das hat mich doch glatt aus den Socken gehauen.

Inzwischen sind fast vier Wochen seit meiner Nachfrage vom 20.02.2014 vergangen und eine Antwort lässt nach wie vor auf sich warten. Scheint ein echtes Problem zu sein, was ich den armen Verantwortlichen da aufgebürdet habe. Dabei schienen mir meine Fragen gar nicht so schwierig zu sein. Möglicherweise ist ja mein Verbesserungsvorschlag [leicht grau hinterlegt] das eigentliche Problem. Ich habe ja darum gebeten, wenigstens darüber nachzudenken. Und denken ist anstrengend und langwierig...

Mitte Juli 2014:

Der Fairness halber muss ich sagen, dass die Debeka mich überrascht hat. Eine sehr nette Mitarbeiterin rief mich an und fragte mich so lange, was ich mir denn so vorgestellt hatte bis sie sicher war, auch alles richtig verstanden zu haben. Und eine geraume Zeit später meldete sie sich wieder telefonisch, um mir zu sagen, dass sie wirklich in allen Abteilungen nach passenden kostenneutralen und datenschutzkonformen Lösungen gesucht hätten, um eine regelmäßige Information über die BRE an die Versicherten senden zu können. Sie war ehrlich ein wenig zerknirscht, dass sie keine Lösung finden konnte. Frau S. war nicht nur sehr nett, sondern auch glaubhaft.

Also kann ich dieses Thema ad Acta legen.


(c) 2014 Gregor Jonas
http://www.gregor-jonas.de