Air Berlin und der Sitzreihenabstand in Flugzeugen

oder: Die Diskriminierung groß gewachsener Menschen


Zugegeben, die nachfolgende Begebenheit könnte sich auch bei einer beliebigen anderen Fluggesellschaft zugetragen haben. Ob der rüde Ton des Bodenpersonals dabei Air Berlin eigen oder weit verbreitet ist, kann ich mangels Erfahrung nicht beurteilen.

Eigentlich wollte ich nur Unannehmlichkeiten vermeiden, als ich bereits am Vorabend eines Urlaubsflugs zum Flughafen Düsseldorf fuhr, was immerhin etwa 1,5 Stunden Autobahnfahrt für die einfache Strecke bedeutete. Denn ich habe ein Problem beim Fliegen. Die ergibt sich aus meiner Körpergröße von 2,03 m. Damit passe ich nicht in die Sitzreihen der Economy-Class. Und ich meine das, wie ich es sage: Es ist nicht nur unbequem, ich kann mich schlicht und einfach nicht hineinquetschen. Weil es das persönliche Budget nicht hergibt, ist die Business-Class kein Thema. Ich habe schon erlebt, dass das Bordpersonal mich ohne Umstände an den Notausgang verfrachtete, natürlich zum berechtigten Unmut der dort sitzenden Person. Es kam jedoch auch schon vor, dass ich aufgefordert wurde, selbst mit den Passagieren zu verhandeln, bis ich dann der Stewardess gegenüber etwas deutlicher werden musste. Die größte Herausforderung war jedoch, dass die Maschine Verspätung hatte, weil ich noch im Gang stand...

Aber man lernt ja. Zunächst hatte ich versucht, mir die Notausgangssitze im Voraus zu sichern. Bis vor Kurzem ging das jedoch nicht, weil die Passagiere bestimmten körperlichen und gesundheitlichen Vorgaben der Luftfahrtbehörde entsprechen müssen. Also hatte ich mir als einzige praktikabel Lösung angewöhnt, den Abend-Checkin zu nutzen, weil dann naturgemäß noch alle Plätze frei sind.

So kam ich dann auch diesmal am Vorabend sehr zeitig zum Schalter und wurde dort zunächst auch freundlich empfangen. Auf meine Bitte hin, mir einen entsprechenden Sitz zur Verfügung zu stellen, wurde ich brüsk abgefertigt. Wie, steht in dem nachher noch folgenden Schriftwechsel und braucht nicht wiederholt zu werden. Air Berlin stellte mich jedenfalls vor die nette Alternative, entweder vom Flug zurückzutreten und meine Reiserücktrittversicherung in Anspruch zu nehmen oder kostenpflichtig (60 € je Strecke) einen entsprechenden Sitz zusätzlich zu buchen. Inzwischen seien die Vorschriften dahingehend geändert worden, dass die Notausgangssitze (und die übrigen mit mehr Beinfreiheit) jetzt im Voraus und zwar kostenpflichtig gebucht werden können. Gut, das ich das nicht mitbekommen hatte und mein Reisebüro offensichtlich ebenfalls nicht, mag man ja als persönliches Pech ansehen. Aber das ändert natürlich nichts daran, dass Air Berlin mit der Annahme meiner Buchung einen Beförderungsvertrag eingegangen ist, den man nicht einfach mit dem Hinweis auf eine Reiserücktrittsversicherung auflösen kann (Air Berlin hätte ja bei einem Reiserücktritt zu diesem späten Zeitpunkt fast den gesamten Reisepreis eingestrichen).

Für mich ergibt sich daraus die Frage, ob eine Fluggesellschaft verpflichtet ist, übergroßen Passagieren unentgeltlich passende Sitzmöglichkeiten bereitzustellen oder ob Personen wie ich quasi als persönliches Behinderung und Handicap zusätzlich zahlen müssen, um die ihnen zustehende Leistung in Anspruch nehmen zu können. Anders ausgedrückt geht es um die Frage, ob große Personen diskriminiert werden dürfen, weil Fluggesellschaften die in jedem Flugzeug vorhandenen Sitze mit mehr Beinfreiheit als zusätzliche Einnahmequelle entdeckt haben.

Bei all dem erlebten Ärger sollte ich der Fairness halber erwähnen, dass der Flug samt Betreuung sehr angenehm gewesen ist!

So habe ich mich also entschlossen, mich vertrauensvoll an Air Berlin zu wenden und um Rückerstattung der mir zu Unrecht abgenommenen 120 € Buchungsgebühr für einen XL-Sitz zu bitten. Hier also der Schriftverkehr in chronologischer Reihenfolge:


Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG
Saatwinkler Damm 42-43
D-13627 Berlin

12.01.2009

 

Flug Düsseldorf - Varadero am 06.12.2008

Buchung XXL-Sitze, Buchungsnr. 50618833

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

bereits am 31.12.2008 habe ich nachfolgendes Anliegen per Internetformular an Sie herangetragen. Da trotz der Versicherung, sich um mein Anliegen zu kümmern bislang nichts geschehen ist, muss ich bedauerlicherweise davon ausgehen, dass Sie dieser Angelegenheit weniger Bedeutung zumessen als ich für angebracht halte. Sollte ich bis zum 30.01.2009 nichts oder einen abschlägigen Bescheid erhalten, sehe ich mich leider genötigt, die Verfolgung meiner Interessen in professionelle Hände zu begeben.

Mein Anliegen betrifft die Handhabung der Vergabe von Sitzen mit erhöhter Beinfreiheit, die ich benötige, weil ich über 2 m groß bin und daher mit dem normalen Sitzabstand nicht annähernd zurechtkomme (Ich kann mich nicht mal hineinquetschen).

Da ich von meinen bisherigen Erfahrungen gewohnt war, das man die besten Chancen hat, z.B. einen Sitz am Notausgang zu erhalten, wenn man den Vorabend-Checkin nutzt, bin ich am Abend des 05.12.2008 zum Flughafen Düsseldorf gefahren und war auch dort einer der ersten am Schalter.

Auf meine Bitte hin, mit einen der besagten Plätze zuzuweisen, sagte mit die Dame am Schalter, die würden jetzt nur noch verkauft. Eine Nachfrage meinerseits, wie ich denn in der Maschine sitzen solle, bekam ich die brüske und absolut unverschämte Auskunft, ich könne ja vom Flug zurücktreten und meine Reiserücktrittsversicherung in Anspruch nehmen! Ich was dermaßen perplex, dass ich sogar vergessen habe, mir den Namen der Frau geben zu lassen! Meine Tochter, die diese Szene mit ansehen musste, kann den Wortlaut bezeugen.

Dann wurde mir angeboten, den letzten noch verkäuflichen XXL-Sitz für 60 € je Strecke zu erwerben. Was sollte ich also tun, wenn ich den Flug antreten wollte? Folglich habe ich zähneknirschend für Hin- und Rückflug gezahlt (Kundennr. 5659..., RG. F367868/2).

Die größte Unverschämtheit folgte jedoch noch:

Zufällig war ein Paar, das in der Schlange des Vorabend-Checkins hinter uns stand, im gleichen Hotel auf Kuba untergebracht und wir kamen ins Gespräch. Diesem Paar hatte die gleiche Dame Notausgangssitze zugewiesen, und zwar ohne zusätzliche Zahlung!

Da es also völlig unnötig war, mir einen vorhandenen Sitz zu verweigern und mir statt dessen einen teuren XXL-Sitz zu verkaufen, erwarte ich eine umgehende Rückerstattung der 120 € auf mein Konto [...] bei der [...], BLZ [...]. Außerdem halte ich eine Entschuldigung für angemessen.

Mit freundlichen Grüßen

Anmerkung: Meine am 31.12.2008 per Mailformular abgesandte erste Eingabe wurde mit einem sehr freundlichen Standardtext und danach inhaltlich gar nicht beantwortet.  Daher die oben stehende schriftliche Nachreichung, die mit nachfolgendem Schreiben seitens Air Berlin dann beantwortet wurde.


airberlin group vom 15.01.2009, Zeichen V 410628

XL-Sitze

Sehr geehrter Herr Jonas,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 12.01.2009.

Wir haben die Schilderung Ihres Gesprächs mit der Mitarbeiterin am Check-in auf dem Flughafen Düsseldorf sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen und bedauern, dass dieses für Sie so unerfreulich verlaufen ist.

Es ist unser Ziel, Sie auf allen Etappen Ihrer Reise mit Air Berlin freundlich und engagiert zu unterstützen, gerade auch dann, wenn Sie sich mit einem besonderen Anliegen an uns wenden. Daher wurde Ihr Vorgang in Kopie bereits der Leitung unserer Fachabteilung für Bodenabfertigung übergeben.

airberlin bietet Ihnen die Möglichkeit Sitzplätze mit mehr Beinfreiheit zu reservieren. Informationen hierzu erhalten Sie zum Beispiel auf unserer Internetseite.

Die Reservierung dieser so genannten "XL-Seats" kostet pro Person und Strecke auf der von Ihnen genutzten Verbindung 60 Euro. Die Reservierung dieser "XL-Seats" ist über unser Servicecenter oder auch am Flughafenschalter möglich. XL-Seats sind aufgrund von Sicherheitsvorschriften der Behörden für folgende Personenkreise nicht reservierbar:

Für den unangenehmen Verlauf Ihres Gespräches am Check-in-Schalter bitten wir herzlich um Entschuldigung. Eine Erstattung können wir Ihnen leider nicht anbieten. Die von Ihnen gewünschten Sitzplätze haben wir Ihnen zur Verfügung gestellt. Bleiben die XL-Sitze bis zum Abflug frei, kann der Check-in am Abflugtag diese Plätze frei vergeben. Vorrang hat immer eine bestätigte Reservierung.

Wir würden uns freuen, Sie bald wieder an Bord eines Air Berlin-Fluges begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

P.
Kundenservice

Anmerkung: Der Mittelteil ist wohl ein (hier völlig überflüssiger weil gar nicht nachgefragter) Textbaustein. Die Entschuldigung ist ja nett, den Rest hat wohl keiner verstanden oder verstehen wollen. Also folgt das Schreiben zweiter Teil...


Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG

Saatwinkler Damm 42-43

D-13627 Berlin

19.01.2009

 

Flug Düsseldorf - Varadero am 06.12.2008

Buchung XXL-Sitze, Buchungsnr. 50618833

Ihr Zeichen V 410628, Antwort vom 15.01.2009

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlichen Dank für Ihre o.g. Antwort. Leider haben Sie mein Schreiben vom 12.01.2009 entweder nicht aufmerksam genug gelesen oder Sie ignorieren den zugrunde liegenden Sachverhalt ganz bewusst. Ich gehe davon aus, dass ersteres zutrifft, auch wenn diese Alternative nicht sehr viel erfreulicher ist.

Mit der Buchung des bezeichneten Fluges nach Varadero und zurück ist ein Beförderungsvertrag zwischen Ihrer Gesellschaft und mir zustande gekommen. Diesen Vertrag hätten Sie nur dann erfüllen können, wenn Sie mir einen Sitzplatz zur Verfügung gestellt hätten, in dem ich auch hätte Platz nehmen können. Auf diese Tatsache habe ich Ihre Mitarbeiterin am Vorabend des Fluges hingewiesen. Zu diesem Zeitpunkt waren noch geeignete Sitzplätze verfügbar, die nicht gebucht gewesen sind. Das ergibt sich zum einen bereits daraus, dass Sie mir zu diesem Zeitpunkt einen der kostenpflichtigen XXL-Sitze anbieten konnten und zum anderen daraus, dass Sie unmittelbar nach meinem Check-In den Passagieren S. und Sch. entsprechende Sitze unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben. Und das geschah nicht, wie in Ihrem Schreiben fälschlich unterstellt, am Abflugtag sondern an jenem Vorabend unmittelbar im Anschluss an meine Abfertigung. Es wurde also mit zweierlei Maß und in völlig falscher Ausübung des offenbar bestehenden Ermessensspielraums des Schalterpersonals gehandelt.

Die Buchung der XXL-Sitze habe ich lediglich vorgenommen, weil ich mich seitens Ihres Bodenpersonals genötigt (um nicht zu sagen gezwungen) gesehen habe. Hätte ich auf die Buchung verzichtet, wäre das Kabinenpersonal vor dem Start gezwungen gewesen, eine adäquate Lösung zu finden, was letztendlich für die Passagiere, die meinetwegen auf entsprechend zugewiesenen Komfort hätten verzichten müssen genau so unangenehm gewesen wäre wie für mich. Da in einem gleichgelagerten Fall meinetwegen schon einmal ein Start verspätet erfolgen musste, weil ich ohne Sitz im Gang stand (und währenddessen unter peinlicher Beobachtung der übrigen Passagiere war), wollte ich ein solches Erlebnis nicht noch einmal durchleben. Ich möchte, um weitere Missverständnisse zu vermeiden, noch einmal darauf hinweisen, dass es sich bei der Nachfrage nach mehr Beinfreiheit nicht um den Wunsch nach mehr Komfort sondern um eine schlichte Notwendigkeit gehandelt hat und dies habe ich der Dame am Schalter auch unmissverständlich kommuniziert.

Ihren Standpunkt, wegen meiner Körpergröße habe ich zusätzliche Kosten hinzunehmen, ist eine persönliche Diskriminierung, die ich Ihnen sehr übel nehme. Dass Sie diesen Vorgang an die Fachabteilung für Bodenabfertigung weiterleiten möchten, ist ja ein Schritt in die richtige Richtung, der aber zwecklos ist, so lange Sie die Problemursache nicht erkannt haben bzw. nicht zu beseitigen beabsichtigen.

 

Zusammenfassung:

  1. Ich benötige auf Grund meiner Körpergröße einen Sitz mit erhöhter Beinfreiheit, da ich in normale Sitze der Economy-Class nicht passe. Es handelt sich nicht um eine Frage des Komfort sondern ist eine nachweisbare Tatsache!

  2. Es war Ihre Verpflichtung, mir einen passenden Sitz zuzuweisen, um den bei der akzeptierten Buchung zustandegekommenen Beförderungsvertrag erfüllen zu können.

  3. Sie haben, obwohl nachgewiesenermaßen passende Plätze verfügbar waren, auf einer kostenpflichtigen Buchung der XXL-Sitze bestanden und mich dadurch gezwungen, zwischen einer Stornierung des Flugs und Zusatzbuchung zu entscheiden. Dabei wurden entsprechende Sitze nur Minuten nach meinem Check-In kostenlos anderweitig vergeben.

Aus meinen obigen Ausführungen folgt, dass Buchung der XXL-Sitze gezwungenermaßen auf Grund eines falschen Verhaltens Ihres Bodenpersonals erfolgte, obwohl de facto die Verpflichtung bestanden hätte, mir eine, meinen körperlichen Bedürfnissen entsprechende Sitzgelegenheit zuzuweisen. Insoweit sind Sie Ihren Verpflichtungen aus dem bestehenden Beförderungsvertrag nicht nachgekommen sondern haben statt dessen auf einer für mich kostenpflichtigen Zusatzbuchung bestanden.

Aus diesem Grunde sehe ich auch keine Veranlassung, von meiner Rückzahlungsforderung zurückzutreten und verweise insofern auf das gesetzte Datum des 30.01.2009, bis zu dem ich Ihren Zahlungseingang nach wie vor erwarte.

Sollten Sie meiner Rechtsauffassung nicht folgen wollen, so werde ich, schon um für zukünftige Reisen Rechtssicherheit zu haben, auf einer juristischen Klärung bestehen.

Im Übrigen weise ich darauf hin, dass ich diesen Schriftwechsel auf meiner rege besuchten Internetseite veröffentlichen werde.

Mit freundlichen Grüßen


airberlin group vom 29.01.2009, Zeichen V 410628

XL-Sitze

Sehr geehrter Herr Jonas,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 19.01.2009.

Gern haben wir den Vorgang nochmals geprüft. Der Vorgang wurde unter Beachtung der rechtlichen und formalen Bedingungen korrekt bearbeitet.

Unsere Langstreckenflotte besteht überwiegend aus Flugzeugen des Typs Airbus A330. Diese Flugzeuge werden bereits beim Hersteller für den Einsatz auf Fernstrecken ausgerüstet. Hinsichtlich der Sitzanordnung (Sitzabstand 78 cm) besteht kein Unterschied zur Bestuhlung von Flugzeugen anderer Luftverkehrsgesellschaften. Gleichwohl ist bei einigen Fluggesellschaften anderer Regionen ein erheblich geringerer Sitzabstand üblich.

Gern haben wir Ihnen wunschgemäß so genannte XL-Plätze reserviert. Diese Reservierung ist kostenpflichtig.

Sind bis kurz vor geplantem Abflug derartige Sitzplätze verfügbar, können diese Sitzplätze frei vergeben werden. Dies hängt jedoch von der Buchungslage des Fluges ab. Eine Verpflichtung zur gezielten Vergabe bestimmter Sitzplätze ohne Reservierung besteht nicht.

Vor dem beschriebenen Hintergrund können wir Ihnen auch weiterhin leider keine Erstattung der von Ihnen entrichteten Gebühren anbieten.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

P.
Kundenservice


Immerhin sehr höflich, muss ich ja zugeben. Aber auf mein grundsätzliches Problem mit keinem Wort eingehend. Aber was solls? Ich habe zwischenzeitlich die Verbraucherzentrale befragt und von dort die Auskunft erhalten, dass Air Berlin wohl im Recht ist. Man kann halt nicht immer gewinnen. Ärgerlich bleibt es trotzdem. Ich muss erhebliche Mehrkosten zahlen, um verreisen zu können. Und das nur, weil ich etwas größer geraten bin. Und das ist und bleibt diskriminierend.

 

Nachfolgend noch der Schriftverkehr mit der Verbraucherzentrale Euskirchen:


An: "Verbraucherzentrale NRW, Beratungsstelle Euskirchen"
Betreff: Anspruch auf für übergroße Menschen geeigneten Sitzplatz bei Flugreisen?

Sehr geehrte Damen und Herren,

bislang kannte ich bei Flugreisen nur die Praxis, dass Sitze mit mehr Beinfreiheit, z.B,. am Notausgang, nicht reserviert werden durften. Bei meiner letzten Flugreise im Dezember musste ich dann aber erfahren, dass diese Sitze offenbar nur noch gegen eine erhebliche Zusatzgebühr oder willkürlich vergeben werden.

Mein Problem dabei ist, dass ich mit über 2 m Körpergröße in die normalen Economy-Class Sitze nicht hineinpasse. Es geht also nicht um Fragen des Komforts sondern um eine faktische Unmöglichkeit, dort Platz zu nehmen.

Daraus ergibt sich die Frage für mich, ob ich einen Anspruch darauf habe, entsprechend meinen körperlichen Bedürfnissen befördert zu werden oder ob ich gezwungen bin, zusätzliche Kosten zu tragen, was in meinen Augen einer Diskriminierung gleich käme.

Soweit mir bekannt ist, kam mit der Buchung des Fluges ein Beförderungsvertrag zustande, der nirgendwo eine Klausel enthält, dass dieser Vetrag nur bis zu einer bestimmten Körpergröße der Passagiere erfüllt werden muss. Zumindest bin ich nie über solche Einschränkungen aufgeklärt worden noch wurden mir AGB zur Kenntnis gebracht, in denen so etwas stehen könnte.

Die in diesem Fall betroffene Fluggesellschaft ist Air Berlin und der bisherige Schriftwechsel ist hier nachzulesen:

http://www.gregor-jonas.de/telekom/airberlin.htm

Hier ist der auch die unerfreuliche Begebenheit aufgezeigt, das mir ein Rücktritt vom Flug nahegelegt wurde.

Auch wenn mich diese Behandlung und auch die Tatsache, dass entsprechende Sitze nur zwei Personen später in der Checkin-Schlange kostenfrei vergeben wurden, verständlicher Weise sehr ärgern, stehen für mich zwei Fragen im Mittelpunkt:

Zum einen natürlich, ob ich einen Anspruch auf Erstattung von 120 € Buchungsgebühren für sog. XL-Sitze habe und zum anderen, ob bei zukünftigen Reisen ein Anspruch auf kostenlose Zuteilung einer für mich geeigneten Sitzgelegenheit besteht.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir auf diese Fragen eine Antwort geben könnten.

Mit freundlichen Grüßen

Gregor Jonas

Von: "Verbraucherzentrale NRW, Beratungsstelle Euskirchen"
An: Gregor Jonas
Gesendet: Donnerstag, den 29. Januar 2009, 10:24:05 Uhr
Betreff: Re: Anspruch auf für übergroße Menschen geeigneten Sitzplatz bei Flugreisen?

Sehr geehrter Herr Jonas,

nach Rücksprache mit unserer Rechtsabteilung müssen wir Ihnen leider
mitteilen, dass es keine gesetzliche Verpflichtung für die
Fluggesellschaften gibt, für alle Körpergrößen Sitzplätze zur Verfügung
zu stellen. Wenn in den AGBs zusätzlich geregelt ist, dass dieses mit
Kosten verbunden ist, sind diese nicht zu beanstanden.

Hinzu kommt, dass Sie bei der Buchung nicht vertraglich vereinbart
hatten, einen entsprechenden Sitzplatz am Notausgang zu bekommen.

Da das Gesetz bisher keine andere Regelung vorsieht, macht es aus Sicht
unserer Rechtsabteilung keinen Sinn, die Angelegenheit juristisch zu
verfolgen.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Monika S.


(c) 2009 Gregor Jonas
http://www.gregor-jonas.de