Ringelnatter (Natrix natrix) mit Goldfisch


Ostersamstag 2011 (23.04.2011):

Ein echter Glückstag für einen Fotografen. Eine ziemlich große Ringelnatter (geschätzte Länge 90-100 cm) hatte in unserem Gartenteich einen Goldfisch erbeutet und wollte ihn fressen. Da der Goldfisch aber so ziemlich das Maximum an Größe hatte, das diese Schlange überhaupt schlucken kann, dauerte der gesamte Fressvorgang mehrere Stunden. Und da die Natter diese Beute um keinen Preis verlieren wollte, kümmerte sie sich überhaupt nicht um mich. Ich konnte ihr ungestört ein Makroobjektiv dicht unter die Nase halten und sie sogar anfassen.

Gesehen haben wir die Ringelnatter wohl nur, weil der Goldfisch so auffällig leuchtete. Da war sie noch mitten im Teich auf der Insel mit den Seerosen (die zu der Jahreszeit noch sehr jämmerlich aussehen).


Offenbar fand die Schlange dort aber keine Möglichkeit, eine geeignete Fressposition zu finden. Schließlich musste sie den Fisch ja irgendwie fest gegen etwas drücken, um ihn am Stück zu verschlingen.



Nach einigen vergeblichen Bemühungen beschloss sie daher,


zum Ufer zu schwimmen. Und zwar genau auf mich zu. Ob sie mich nicht gesehen oder da schon beschlossen hat, mich für harmlos zu halten, weiß ich natürlich nicht.


Dabei entwickelte sie eine Geschwindigkeit, die ich nie für möglich gehalten habe. Ich kam kaum zu einem brauchbaren Foto.


Am Ufer angekommen.


Dieses Foto wurde für den Artikel "Zum Nahrungsspektrum der Ringelnatter, Natrix natrix" in der Zeitschrift "Sauria" (39. Jahrgang, Ausgabe 2, Juni 2017), verfasst von Herrn Prof. Dr. Klaus Kabisch, verwendet.



Aber das Ufer alleine reichte noch nicht. Sie musste auch an Land gehen.



Dort konnte sie ihren eigenen Körper nutzen, um den Goldfisch dagegen zu drücken.


Dabei probierte sie verschiedene Stellungen aus, ohne dass ich einen wirklichen Fortschritt zu erkennen vermochte.


Immer wieder öffnete sie ihr Maul, um den Fisch tiefer in den Schlund zu schieben.


Solche Verrenkungen sind wohl kein Problem, wenn keine Arme und Beine im Weg sind.



Hier sieht man sehr gut, wie groß der Goldfisch im Gegensatz zur Ringelnatter war.




Selbst hier ist die Schlange nicht komplett auf dem Bild. Ein wahres Prachtexemplar. Obwohl ich mir jetzt natürlich Sorgen mache, wie lange ich überhaupt noch Fische haben werde.


Ich habe es eine Zeitlang nicht für möglich gehalten. Aber sie hat den Fisch tatsächlich geschluckt bekommen!


Ringelnatter und Molch


04.05.2011, nur ein paar Tage später (und nur wenige Stunden, nachdem ich die obigen Bilder online gestellt habe).

Schon wieder Schlangenalarm. Meine Frau, deren Arbeitszimmer einen guten Blick auf unseren Gartenteich gewährt, hatte mich gerufen. Nicht, dass sie von dem Schlangengetier besonders begeistert wäre. Eher etwas beunruhigt. Und natürlich voller Sorge, dass die Ringelnattern uns bald den ganzen Teich leer gefressen haben.


Diese Ringelnatter ist eindeutig nicht die von Ostern. Die dürfte noch ein paar Tage lang satt sein. Außerdem ist dieses Exemplar deutlich kleiner. Genau wie die Beute: Diesmal handelt es sich um einen der zahlreichen, ebenfalls im Teich heimischen Molche. Leider kommt diese Schlange nicht ans Ufer. Und das Verschlingen geht auch deutlich schneller. Wobei schneller durchaus 20-30 Minuten bedeutet haben. Da sie in der Teichmitte blieb, sind diese Fotos technisch nicht ganz so prickelnd. Aber als Dokumentation sicher immer noch interessant. Wie viele Nattern werden wir wohl beherbergen?



Erschwerend kam hinzu, dass sie mit ihrem Kopf ausgerechnet unter diesem Blatt war. Man kann aber dennoch gut erkennen, dass sie den Molch hier quer, also zwischen Rücken und Bauch gepackt hat. So passt er natürlich nicht rein.


Aber das wurde umgehend korrigiert.


Einmal richtig zurecht gelegt konnte die Beute dann verspeist werden.


© Gregor Jonas 2011
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