Euskirchen-Kirchheim und die Steinbachtalsperre


Hier finden Sie Fotos von Kirchheim und der Steinbachtalsperre.

Ganz im Südwesten Nordrhein-Westfalens liegt das Kreisgebiet Euskirchen. Hier grenzt Nordrhein-Westfalen an Belgien einerseits, an das Land Rheinland-Pfalz andererseits. Knapp 1.300 qkm groß ist das Kreisgebiet. Es ist im Norden geprägt von weiten, offenen Flächen, die zum großen Teil landwirtschaftlich genutzt werden und im Süden von großen, zusammenhängenden Waldgebieten in der Eifel. Interessant ist, dass es innerhalb des Kreises zwar viele Flüsse und Bäche gibt, aber kaum nennenswerten Seen. Die Flüsse tragen interessante Namen wie Erft, Kyll, Ahr oder Urft.

Kirchheim ist ein Dorf am Nordrand der Eifel und gehört zur Stadt Euskirchen. Von hier aus blickt man herunter auf die Kölner Bucht und die fruchtbare Zülpicher Börde und kann bei gutem Wetter mit dem Fernglas sogar die Türme des Kölner Doms aus dem Rheingraben herausragen sehen. Alte Quellen besagen, dass Kirchheim im Winter nicht oder nur schwer zu erreichen gewesen ist und damit über weite Teile des Jahres von der Außenwelt abgeschnitten war. Dementsprechend ähnelt die Mentalität und das Wesen der Kirchheimer eher dem der Eifler als dem der Ebenenbewohner (Rheinländer), obwohl es sprachlich durchaus große Gemeinsamkeiten gibt. Generell gilt, dass die Aussprache um so härter wird, je weiter man von Köln aus in die Eifel vordringt. Überhaupt konnte man früher jedes Dorf am eigenen Dialekt unterscheiden. Seit den 60er Jahren wird das immer schwieriger, weil die erhöhte Mobilität, die verstärkte Nutzung elektronischer Medien und das Vernachlässigen des Dialekts leider eine immer stärkere Angleichung bewirken. Insgesamt ist die Nutzung des Dialekts auf dem Rückzug.

Zurück zu Kirchheim. Kirchheim ist ein aus drei Teilen zusammenwachsender Ort. Offiziell gibt es zwar nur einen Ortsnamen (was z.B. im Nachbarort Arloff-Kirspenich anders ist), intern kennt man aber Hockenbroich, Kirchheim (et Dörp) und Oberkastenholz. Hockenbroich ist der der Eifel zugewandte Teil. Die Einwohner waren relativ arm, was am steinigen, wenig fruchtbaren Boden lag. Die Hockenbroicher verdienten sich durch Steinbrucharbeiten ein Zubrot. Steine gab es ja genug. Auch in der Bebauung lässt sich das heute noch feststellen. Die alten Häuser sind kleiner, die Gassen enger als im Rest des Dorfes. Auch unterscheidet sich der Dialekt ein wenig, für Eingeweihte aber merklich vom restlichen Kirchheimer Sprachgebrauch.

Et Dörp, das wegen der Kirche bereits im frühen Mittelalter Kirchheim benannt wurde, befindet sich etwa in der Mitte zwischen Hockenbroich und Oberkastenholz (die heutige Kirche St. Martin wurde von 1868-1870 erbaut und ist nicht der Namensgeber). Auf dem Gelände des alten Friedhofs (Kirchhof) neben der Pfarrei standen seit dem 9. Jahrhundert bereits Kirchen). Die Baulücken sind trotz der Bemühungen, diese durch die Aufstellung von Bebauungsplänen zu schließen, immer noch erkennbar.

Oberkastenholz, in direkter Nachbarschaft zu Niederkastenholz gelegen, war der Ort der (für lokale Verhältnisse) reichen Bauern. Hier ist das Land fruchtbar, da hier bereits der Lößboden der Zülpicher Börde beginnt.

Dabei bildete die heutige Kirchheimer Straße bis hinauf zur Kirche das Dörp, oberhalb der Kirche mit der Hockenbroicher Straße und dem Vogelsang war der Kern von Hockenbroich. Die heutige Arloffer Straße dürfte Oberkastenholz gebildet haben.

Zur Kirchengeschichte:

Von Fabio Cecere, entnommen www.euskirchen.de 07/2010:

Der Name Kirchheim und die vielen weiteren auf "-heim" endenden Ortsnamen im Bereich südlich von Euskirchen deuten auf die Zugehörigkeit dieser Orte zu einem planmäßig angelegten Krongutbezirk der karolingischen Zeit hin. In Kirchheim hat wahrscheinlich bereits im 9. Jh. eine Kirche gestanden, die der, aus der Rodung des Flamersheimer Waldes entstandenen, Siedlung den Namen gegeben hat. Man vermutet, dass die Pfalzkapelle der Hockebur das erste Gotteshaus in Kirchheim war, das durch die Normannen jedoch zerstört worden sein soll.
Zu früher Berühmtheit der Gegend verhalf zusätzlich eine Anekdote aus der Karolingerzeit, nach der Ludwig der Deutsche 870 auf der Hockebur weilte. Als er das obere Stockwerk bestieg, sei er infolge des morschen Gebälks eingestürzt. Der König brach sich zwei Rippen, dennoch habe er am nächsten Tag den Weg nach Meersen an der Maas fortgesetzt.
Um 900 wurde dann eine neue Kirche errichtet, die bis 1672 existierte. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ging jedoch das Kirchengut größtenteils verloren, als beispielsweise einige Einwohner Teile des Kircheninterieurs verkauften.
1666 erhielt die Kirche eine neue Decke, 1704 wurde der Turm erneuert.
Im 19. Jh. entschloss man sich schließlich die alte Kirche abzureißen und sie durch einen Neubau zu ersetzen.

Es wurden aber auch römische Ruinen und Gräber gefunden, die auf eine noch weiter zurückliegende Geschichte hinweisen. In unmittelbarer Nachbarschaft, nämlich in Niederkastenholz, verlief die römische Wasserleitung, die Köln mit Eifelwasser versorgte.

Euskirchen wurde während der industriellen Revolution ein Zentrum der Tuchherstellung. Die Tuchfabriken benötigten Unmengen von Wasser. In den 1920er Jahren wurde daher im Steinbachtal ein Staudamm errichtet, um die Tuchindustrie mit Wasser zu versorgen. 1988-1990 wurde der Staudamm saniert. Die Tuchindustrie verschwand Mitte des 19. Jahrhunderts vollständig, der Stausee blieb und stellt heute ein bekanntes Naherholungsziel für den Ballungsraum Köln / Bonn / Düsseldorf dar. Weitere Informationen zur Steinbachtalsperre finden sich in Wikipedia.

Näheres zur Geschichte des Ortes findet man auf der Seite der Stadt Euskirchen.


Das Kirchheimer Wappen.

Auf der linken Seite ist ein Hammer abgebildet, der früher zu Steinbrucharbeiten benutzt wurde. Die Kirchheimer, im Wesentlichen diejenigen aus dem Ortsteil Hockenbroich, die bei Weitem das schlechteste Ackerland des Dorfes besaßen, verdienten sich mit Steinbrucharbeiten ein Zubrot. Dabei wurden die Bruchsteine teilweise zu Schotter (Kies) zerkleinert. Der lange Hammerstiel diente nicht nur einer besseren Hebelwirkung, sondern sollte auch die Schläge besser abfedern. Dieser Tätigkeit verdanken die Kirchheimer den Beinamen "Kissklöpper".

Die Gans ist ein Hinweis auf den Schutzpatron der Kirche und Gemeinde Kirchheim, den Hl. St. Martin. Sie ist ein Hinweis auf die Ernennung Martins zum Bischof von Tours im Jahre 371 oder 372. Die Legende erzählt, dass Martin der Wahl entgehen wollte und sich schließlich (ausgerechnet) in einem Gänsestall versteckte. Da die Gänse darauf hin aber einen Heidenlärm (sorry für das Wortspiel) veranstalteten, wurde er gefunden und nahm letztlich das Bischofsamt an.

Das Wappen wurde entworfen von Tasso Freiberg. Hierzu auch ein Auszug aus den Kirchheimer Pfarrnachrichten von 06/2007



Blick vom Kirchheimer Berg hinunter in die Ebene der Kölner Bucht und Zülpicher Börde


Blick vom Hardtberg auf Kirchheim

Mit einem Klick auf die Bilder öffnen sich die Panoramabilder in groß.


Die Kirche St. Martin mit Novembervollmond im Jahr 2003


Panoramen


Ausführliche Informationen zur Stadt Euskirchen, zu der Kirchheim gehört, sowie zum Dorf selbst und zum Naherholungsgebiet Steinbachtalsperre, finden Sie unter den angegebenen Links. Hier das Rad nochmals neu zu erfinden, wäre völlig unsinnig, da dort bereits fast alles gut beschrieben zu finden ist.. Sollten Sie aber auf der Suche nach weiteren Fotos sein, schauen Sie gerne bei mir vorbei. Ein Großteil der auf meiner Homepage gezeigten Fotos ist hier entstanden. Hier finden Sie aus jeder Jahreszeit und fast jedem Blickwinkel genügend Material.


(c) Gregor Jonas 2007-2009
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