Domino schreibt ein letztes Mal (Teil 7: 2008)


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In Memoriam Domino, * 20.04.2001 - † 25.11.2008

Ein Nachruf auf Domino, der nur 7 Jahre, 7 Monate und 5 Tage alt wurde.

Bisher hat Domino immer selbst geschrieben. Nun, wo es mit ihm zu Ende zu gehen scheint, muss ich das leider selbst übernehmen.

Wir schreiben den 25.11.2008 und die letzten Jahre ziehen an mir vorüber. Domino war, das heißt, noch darf und muss ich schreiben, er ist immer ein recht eigensinniger, zuweilen dickköpfiger, wenn nicht gar sturer, aber lieber und schmusiger Kerl gewesen. Und so fallen mir immer wieder neue Begebenheiten ein, die wir zusammen erlebt haben.

Wenn ich jetzt die Tränen in den Augen habe, dann deshalb, weil ich mich so hilflos fühle. Und völlig überfordert von der Verantwortung über Leben und Tod meines ersten Hundes, der mich über siebeneinhalb Jahre lang begleitet und mein Leben so geprägt und mitbestimmt hat, wie es nur wenige Menschen vermocht haben.

Doch der Reihe nach...

Im Juni 2005 waren wir 3 Wochen lang mit beiden Hunden im Oderdelta an der Ostsee in Urlaub. Von dort gibt es wunderbare Bilder von unserem jetzt völlig abgemagerten "Dicken".  Das vielleicht schönste ist das hier:

Dort sieht man nicht, dass er einen Überbiss und eine viel zu lange Schnauze bei einem zu schmalen Schädel hat. Ohnehin war er für uns immer der schönste, auch wenn er Fehler hatte. Oder gerade deshalb. Aber ich schweife ab. Und noch könnte es ein Wunder geben...

Das erste ernsthafte Problem bekam Domino zu Ostern 2006. Ich kam gerade von einem sehr langen Spaziergang mit Domino und Ginja zurück, der uns weit in die geliebten nahe gelegenen Wälder geführt hatte. Als wir nur noch wenige Meter von zu Hause entfernt waren, zog Domino plötzlich sein rechtes Bein hinter sich her. Dabei schleifte die Pfote über den Boden. Im Haus konnte er sich überhaupt nicht mehr auf dieses Bein stellen. Ein furchtbarer Anblick, wie er da mit abgeknickter Pfote dastand. Ausgiebige Untersuchungen ergaben nichts. Daher vermuteten die Ärzte einen Rückenmarksinfarkt, da dieser auf Röntgenbildern und auch sonst kaum nachzuweisen ist. Er bekam Cortison und erholte sich allmählich wieder. Langsam konnte er zunächst kurze Strecken und dann auch wieder bist zu einer Stunde lang laufen. Aber ganz ging das Hinken nie weg und war am stärksten zu sehen, wenn er langsam ging. Aber das hat ihn nie davon abgehalten, zu traben oder zu rennen. Dennoch war dieser lange Spaziergang zu Ostern das letzte Mal, das ich so ausgiebig und lange mit den Hunden gehen konnte. Diese weiter entfernten Waldregionen habe ich seitdem nicht mehr betreten...

Zwischenzeitliche Eskapaden, die uns etliche Möbel- und Kleiderstücke gekostet haben, hatten wir eigentlich Ginja zur Last gelegt. Aber letztendlich war es Domino, der an diesen Zerstörungen maßgeblichen Anteil hatte. Er blieb zunehmend ungerne alleine im Haus und reagierte verängstigt und panisch, wenn er merkte, dass wir das Haus verlassen wollten. Vielleicht waren das Übersprungshandlungen. Aber vielleicht hatte er auch bereits Schmerzen. Wer weiß das schon? In den letzten Monaten war jedenfalls wieder Ruhe und abgesehen davon, dass wir die Länge der Spaziergänge auf ein für Domino verträgliches Maß beschränkt haben, führten wir ein völlig normales Familienrudelleben. Über 2007 gibt es wenig zu erzählen. Wir waren ohne Hunde in Urlaub und die beiden waren bei Petra in Betreuung. Abgesehen davon, das Petra anschließend ein neues Bett brauchte, haben es die beiden dort richtig gut gehabt.

Eher amüsant ist da ein Vorfall vor wenigen Wochen, bei dem Domino kurzzeitig abhanden gekommen war. Domino neigt ja sowohl zur Sturheit als auch zum Zurückbleiben bei unseren Ausflügen. Das führte manches Mal dazu, dass er die falsche Abzweigung genommen hat. Dann hat er immer an der nächsten Möglichkeit gewartet, bis ihn jemand abholte. Doch dieses eine Mal hat er es geschafft, völlig unterzutauchen. Wir hatten gerade noch einen Ferienhund und gingen ein Stück am Stausee entlang, als ich bemerkte, das Domino nicht mehr hinter uns war. Nun, das war ja an sich nichts bemerkenswertes. Schließlich beschloss er ja nicht zum ersten Mal, ein Bad zu nehmen, ohne dafür die Erlaubnis zu haben. Frei nach dem Moto: Wenn Herrchen mich nicht ins Wasser schickt, dann muss ich das selbst in die Hand nehmen. Nur hat er es dann geschafft, an uns vorbeizulaufen, ohne uns zu sehen. Auf Rufen hat er auch nicht reagiert. Und als ich dann seinen mutmaßlichen Weg nach Hause ging, fand ich ihn nicht. Erst eine gemeinsame Suchaktion zusammen mit Aga führte dann zum Erfolg. Domino war einfach weiter am See entlang gelaufen, bis es nicht mehr weiter ging. Und da stand er dann mitten auf der Straße und wartete... Neben seinen Schmuseattacken sind es wohl diese Kleinigkeiten, die einem im Gedächtnis bleiben werden.

Mitte Oktober fing Domino dann an zu husten und leicht zu röcheln. Natürlich haben wir uns zunächst dabei nichts gedacht, denn die Heizperiode hatte gerade begonnen, so dass er vielleicht auf die trockenere Luft reagierte oder er sich einfach leicht erkältet hätte haben können.

Das eigentliche Drama begann am Abend des 03.11.2008. Domino versuchte zu fressen, begann dann aber zu husten und zu würgen. Schnell wurde uns klar, dass das nicht das uns schon vertraute Geräusch war. Domino wurde unruhig und leicht apathisch, der Bauch war aber nur leicht aufgebläht. Daher nahmen wir zunächst an, dass diese Blähung von dem Würgen käme. Als es aber nicht besser wurde, sind wir nach Bonn in eine Tierklinik gefahren. Dort ist er zunächst aus dem Auto gesprungen, als ob nichts wäre. Auch die erste Abtastung führte nur zu der Frage, was er denn gefressen habe. Das schien uns schon eine passende Erklärung zu sein. Wer weiß schon, ob er nicht irgendwo ein vergessenes T-Shirt gefunden oder beim letzten Spaziergang etwas aufgenommen hatte.  Der Schock kam, als das Röntgenbild fertig war: Diagnose Magendrehung. Das Schlimmste war, dass wir von einer Minute auf die nächste vor die Entscheidung gestellt wurden, ihn operieren zu lassen oder einzuschläfern. Hierauf kann man sich gar nicht vorbereiten...

Zu meiner Schande muss ich zugeben, das ich nicht spontan für eine OP entschieden habe. Laut Ärztin hatte er nur eine Chance von 50% und die Kosten von über 2.000 € wollten auch überlegt sein. Bin ich jetzt ein schlechtes Herrchen? Im Nachhinein wäre eine Entscheidung zum Einschläfern sicherlich die richtige gewesen, wenn auch aus den völlig falschen Motiven. So aber taten wir das, was wir dem Dicken schuldig waren: Es sollte alles versucht werden, um sein Leben zu retten.

Und was waren wir glücklich, als spät abends die Nachricht kam, dass er diese schwere Not-OP gut überstanden hatte. Schon am nächsten Tag konnten wir ihn wieder heim in seine Familie holen. Denn das waren und sind wir: Seine Familie. Anfangs wollte er nicht fressen und vor allem nichts trinken. Er hatte sehr schlechte Nierenwerte, konnte sich jedoch dank intensiver ärztlicher Betreuung und guter Pflege (Aga hat ihn extra mit Diätfutter bekocht) wieder erholen. Insgesamt hatte er zwar gut 10 kg abgenommen, aber bis vorgestern waren wir guter Dinge, ihn wieder hochpäppeln zu können. Am letzten Freitag, den 21.11.2008, bekam er nicht nur die Fäden gezogen. Nein, die Nierenwerte waren wieder im Normbereich. Da war für uns klar, dass wir ihn wiederhaben.

Leichte Sorgen bereitete uns lediglich, dass er wieder mit seinem Husten, würgen und röcheln anfing, was direkt nach der OP völlig verschwunden war. Der behandelnde Tierarzt maß dem aber keine weitere Bedeutung bei. Es könne halt eine Folge des aufgeschnittenen Magens sein. Gestern, also am 24.11.2008, wollte er dann nichts mehr fressen. Das Trinken hatte er schon seit der OP eingestellt, was wir aber damit erklärt hatten, dass er ja über die selbstgekochten Sachen genügend Flüssigkeit bekommen hat. Weil wir inzwischen ziemlich beunruhigt waren, ist Aga mit Domino zu einem anderen Tierarzt gefahren. Dort wurde er ausgiebig abgehört. Dabei wurden Tumore in der Lunge ausdrücklich ausgeschlossen. Statt dessen bekam er ein Medikament zur Schleimlösung. Nachdem Aga ihm zu Hause eine Kartoffel angeboten hat, was zu seinen absoluten Lieblingsspeisen zählt, und er die zwar fressen wollte aber offenbar nicht schlucken konnte, hat sie bei der Tierklinik angerufen. Die haben ihr geraten, sofort mit ihm zu kommen. Sofort ging leider nicht. Aber ich habe ihn dann kurze Zeit später ins Auto gepackt und bin nach Bonn gefahren. Dabei ist er gehorsam, um nicht zu sagen, ergeben, in das Auto gesprungen. Autofahren mochte er immer gerne, weil dann meistens ein besonders schöner Spaziergang oder gar ein Bernertreffen anstand. Aber auch Tierarztbesuche hat er immer wie ein notwendiges Übel hingenommen. Hauptsache, sein Frauchen und/oder Herrchen war mit dabei.

In der Tierklinik ist er dann geröntgt worden. Diesmal nicht der Magen sondern die Lunge. Ich habe mit ihm vor dem Behandlungszimmer darauf gewartet, dass die Aufnahme fertig wird. Währenddessen wurden andere Hunde behandelt, die Tür bleib offen. Daher konnte ich den Gesichtsausdruck des Arztes sehen, als er zwischendurch an die Wand geschaut hat, an der das Betrachtungsgerät hängt. Tief in meinem Innern wusste ich da bereits, dass ich nichts gutes mehr zu erwarten hatte. Und so kam es auch. Auf der Aufnahme waren eindeutig mehrere Lungentumore zu erkennen, sogar für einen Laien wie mich. Da hatte der Kämpfer einen schwere Magendrehungs-OP überlebt und dann das! Eine derartige Berg- und Talfahrt der Gefühle ist nicht zu beschreiben und schon gar niemandem zu wünschen!

Die Aufnahme soll heute noch einmal wiederholt werden, nachdem ein Entwässerungsmittel für eine bessere Aufnahmebedingung sorgen soll. Dabei haben wir doch gerade erst mit allen möglichen Tricks versucht, die Flüssigkeit in ihn hineinzubekommen. Es ist unglaublich. Es haut mich aus den Schuhen. Wie betäubt fahre ich nach Hause und vermeide es, Aga vorher anzurufen. Als ich es ihr sage, bricht sie weinend vor Domino zusammen. Auch ich kann die Tränen jetzt nicht mehr zurückhalten. Es besteht immerhin die Hoffnung auf ein Wunder. Die zu wiederholende Aufnahme könnte ein anderes Ergebnis bringen.

Doch Domino spricht eine andere Sprache. Mit Mühe und sanfter Gewalt und mit Hilfe einer kleinen Spritze flößen wir ihm ein paar Milliliter Flüssigkeit ein. Er selbst geht sogar zum Wassernapf, um daran zu lecken. Aber trinken will oder kann er nicht. Fressen mag er auch nicht, selbst seine so geliebte Banane verschmäht er. Nachdem er sie interessiert beschnuppert hat, dreht er demonstrativ den Kopf weg. Ich lege mich neben ihn auf den Boden und halte ihn fest. Seine Reaktion ist spärlich. Aber er geht, vielleicht zum letzten Mal abends mit auf "seine" Wiese. Dort löst er sich bislang zum letzten Mal. Wo sollte jetzt auch noch etwas herkommen?

Heute morgen ist er mit Ginja und mir wie immer zur Wiese gegangen, um noch einmal Pipi zu machen. Danach hat er sich auf seinem geliebten Teppich im Bad zusammengerollt und blieb dort apathisch liegen. Jetzt hat er ein klein wenig getrunken, verweigert aber die Nahrungsaufnahme noch immer. Um 10:00 Uhr soll die letzte Röntgenaufnahme letzte Sicherheit bringen, ich sitze hilflos im Büro und warte auf das Ergebnis, das Aga mir sicher sofort durchgeben wird.

Um 10:30 Uhr ruft Aga an. Das erhoffte Wunder ist ausgeblieben. Der Befund ist völlig eindeutig. Und die Prognose sagt, dass er, selbst wenn er fressen und trinken würde, nur noch wenige Tage zu leben hätte. So schnell, es ist unfassbar. Aber Domino hat uns ohnehin schon zu verstehen gegeben, dass er gehen möchte.

Daher hat Aga mit unserem ortsansässigen Tierarzt vereinbart, dass er heute Abend kommt, um Domino in unseren Armen und in seinem Heim auf seinen letzten Weg zu bringen. Da kein Wunder mehr geschehen kann, werde ich mit meinen eigenen Händen im Garten ein würdiges Grab für ihn ausheben, so dass er für immer in unserer Nähe bleiben kann. Der Gedanke, ihn in fremder Umgebung gehen lassen zu müssen oder ihn gar einem Abdecker zu überlassen, ist unerträglich. Domino war Agas und mein erster Hund, ein vollwertiges Familienmitglied, das wir fast von Geburt an kannten. Und vielleicht gerade, weil er auch eine Art von "Sorgenkind" war, wurde er ganz besonders geliebt. Ich bemerke, dass ich schon wieder in die Vergangenheitsform abgerutscht bin. Noch kann ich Domino in den Arm nehmen und knuddeln. Und das tue ich auch.

Möglicherweise war und ist Domino einer der bekanntesten Berner Sennenhunde Deutschlands. Dafür haben seine Geschichten und Bilder auf meiner Homepage (die immer auch die seine war und bleibt) sowie das Bernerfreunde-Forum wohl gesorgt. Die Bekanntheit hat ihm leider kein langes und gesundes Leben geschenkt. Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass er ein gutes und auch glückliches Hundeleben hatte. Trotz aller gesundheitlicher Probleme waren wir immer für ihn da, so wie er immer für uns da gewesen ist. Und genau so möchten wir ihn in Erinnerung behalten. Seine trödelig dummdreiste Art, seine Ignoranz und Sturheit, seine Liebenswürdigkeit, seine Anschmiegsamkeit, mit der er seine Aufmerksamkeit eingefordert hat, die er brauchte und seine Einmaligkeit.

Und wir hoffen, dass diejenigen, die ihn aus dem Netz oder auch persönlich gekannt haben, ihn ebenso in Erinnerung behalten werden, über alle Gräben hinweg, die wir Zweibeiner im Laufe seines kurzen Lebens zwischen uns gezogen haben. Domino war glücklich, wenn er gekrault wurde. Streitigkeiten unter Menschen hat er nie verstanden und in seiner unnachahmlichen Art auch immer ignoriert. Vielleicht sollten wir uns hieran ein Beispiel nehmen.

So, und jetzt zittere ich dem entgegen, was dieser unselige Tag noch bringen wird. Noch mehr darüber zu schreiben, was Domino für uns bedeutet und wie sehr er uns fehlen wird, dürfte überflüssig sein. Jeder, der selbst einen Hund sein eigen nennt, wird das auch ohne große Worte wissen.

Vielleicht drückt das Logo des Bernerfreunde-Forums die Verbundenheit mit Domino am besten aus:

Die Bilder von seinem letzten Tag werden bis auf eine Ausnahme privat bleiben. Hier ein paar Aufnahmen aus seinem letzten Jahr:

Die drei oberen Bilder stammen vom 02.02.2008. Hier kann man sehen, wie viel Freude Domino im Schnee hatte. Bilder aus glücklicheren Tagen.

Und diese beiden Bilder sind vom 29.10.2008, also kurz vor seiner Magendrehung. Da ahnte wir noch nicht, dass der Husten mehr war als eine leichte Erkältung.

Die beiden waren ein unzertrennliches Rudel, auch wenn Ginja immer rumgezickt hat, wenn Domino zum schmusen zu mir gekommen ist. Denn die Rollen waren eindeutig verteilt: Domino war Frauchens Hund und Ginja Herrchens. Nun muss auch Ginja lernen, alleine zu bleiben. Das mittlere Schneebild soll daran erinnern, dass wir immer mindestens zu dritt unterwegs waren.

Kerstin hat für das Forum einen Bernerkalender gemacht, der nun wohl zu einem dauerhaften Denkmal für Domino werden wird. Ein Bild von Domino erscheint auf dem Blatt der ersten Woche November 2009. Dann wird er fast seinen ersten Todestag haben. Denn eben, um 10:30 Uhr rief mich Aga an, dass das erhoffte Wunder ausgeblieben ist. Medizinisch hätte er voraussichtlich nur noch wenige Tage, wenn er denn fressen und trinken würde. Da er das aber nicht tut und sich aufgegeben hat, können wir uns nur noch von ihm verabschieden und ihn mit aller Würde, die er verdient hat und in unseren Armen gehen lassen. Wie soll ich es aushalten, wenn mein (jetzt gar nicht mehr dicker) Dickhund mich in einem Jahr von der Wand aus anschaut? Dabei hängen ohnehin Bilder von ihm in meinem Büro.

Und wie soll ich heute die Kraft aufbringen, ihn gehen zu lassen und sein Grab zu schaufeln? Ich weiß es nicht. Aber ich muss, ich muss es ihm zuliebe!

Domino, ich werde mich noch ausgiebig verabschieden, so wie du schon begonnen hast, zu gehen.

Die Bilder und Geschichten hier auf meiner Homepage werden natürlich bleiben, ebenso wie meine Erinnerungen. Denn, wie Domino schon vor fast 7 Jahren geschrieben hat, ist das immer auch seine Seite gewesen. Und daran wird sich auch nichts ändern. So soll er in unserer und eurer Erinnerung lebendig bleiben, während er uns von der anderen Seite der Regenbogenbrücke aus zuschaut.

Ich bin gegen Mittag nach Hause gekommen und Domino begrüßte mich zusammen mit seiner Schwester wie immer. Das ist schrecklich. Obwohl er sonst recht reglos in seiner Kudde liegt, meint er immer noch, seinen Wachpflichten nachkommen zu müssen. Er war danach mit mir und Ginja noch mal auf seiner Wiese und hat sich auf seine Weise von dort verabschiedet. Er ist von ganz alleine dorthin gelaufen. Ich hatte sogar den Eindruck, dass er zu einem ganzen Spaziergang aufbrechen wollte. Aber ich wollte nicht riskieren, dass ihn dann unterwegs die Kräfte verlassen. Dann hat er sich auf der Wiese hingelegt, Schnee gefressen und wollte gar nicht mehr aufstehen. Sogar gelöst hat er sich noch einmal, wenn auch eher pro Forma. Er hat halt versucht, alles so zu gestalten, wie er es in den letzten Jahren gewohnt war.

Weil ich im Dunkeln kein Grab im Garten ausheben kann, habe ich das heute Nachmittag getan. Ist das pietätlos? Oder gar geschmacklos? Noch lebt Domino noch. Aber ich weiß keine andere Möglichkeit. Es wurde so tief, wie es eben hier in dem Boden geht, aber es reicht. Vom Esstisch haben wir einen guten Blick dorthin. Und Domino wird so liegen, dass er zu uns hoch schauen kann. Erstaunlicher Weise fingen die Kirchenglocken beim ersten Spatenstich zu läuten an. Auch wenn ich nicht religiös bin, hatte das doch etwas Erhebendes. Jetzt heißt es warten auf den Tierarzt, damit wir mit Domino gemeinsam den letzten Schritt tun können. Das graben war gar nicht so schwer, wie ich gedacht habe. Die körperliche Arbeit war nicht nur eine Ablenkung von den kreisenden Gedanken. Sie war auch eine gestalt gewordene Liebeserklärung: Ich verabschiede dich mit den eigenen Händen und schütze dich so davor, in fremde Hände zu gelangen. Ich habe die Verantwortung für dich und der werde ich bis zum letzten Spatenstich gerecht. Ich will, muss und werde dich auf deinem Weg begleiten. Und das werde ich konsequent bis zum bitteren Schluss tun, so wie ich es seit 7 Jahren, 7 Monaten und 5 Tagen getan habe, wenn man die ersten 2 Lebenswochen, bevor wir dich kennen lernen durften, mit einbezieht.

Hier das letzte Bild, das ich von Domino zeigen möchte. Es stammt vom 25.11.2008, also von heute. Das war sein letzter Ausflug auf seine Wiese und von dort hat er sich wie schon beschrieben verabschiedet. Sein Fell glänzt wie selten. Und das er nur noch 34 kg wiegt, kann man hier nicht erkennen. Auch das ihm jeder Lebensmut abhanden gekommen ist, muss man nicht sehen. Er hat Schnee geliebt und sich immer mit Begeisterung darin gewälzt. So freut es mich, dass er das noch einmal spüren durfte. Auch wenn die Freude und das Wälzen fehlten. Weil ihm hier die Krankheit nicht anzusehen ist und aus den letzten Tagen kein schöneres Foto existiert, glaube ich, dass es ihm nicht die Würde nimmt, nur weil es an seinem letzten Tag auf Erden aufgenommen wurde.

Mit diesem, für ihn so typisch melancholischen Blick, möchten wir ihn in bester Erinnerung behalten.

Heute Abend kam der Tierarzt mit dem 7 Uhr Glockengeläut. Domino ist in unseren Armen um 19:10 Uhr friedlich und ruhig eingeschlafen. Wir hatten vorher ausgiebig die Gelegenheit, uns zu verabschieden. Und das hat auch Domino getan. Er ist mit sich im reinen gewesen und wusste, was kommen wird. Und er hat darauf gewartet. Ich bin überzeugt, das wir in seinem Sinne und zum richtigen Zeitpunkt gehandelt haben. Es war ein trauriger, angemessener Abschied. Wir haben ihn würdevoll im Garten und in eine Decke gewickelt begraben, so dass er in unserer Nähe bleiben kann. Eine Kerze brennt dort im Gedenken an ihn.

Domino, du hast unser Leben bereichert, wie nur du es vermocht hast. Du warst immer für uns da, hast uns getröstet, beschmust, beschäftigt, zum Lachen gebracht, uns unendliche Sorgen bereitet und noch mehr Freude. Du warst nicht nur in unseren Augen einzigartig. Überall wirst du eine schmerzende Lücke hinterlassen. Du warst ein Mittelpunkt und maßgeblicher Motor unseres Lebens. Dabei warst du Ausgangspunkt für viele viele Kontakte in ganz Deutschland und darüber hinaus. Für so manches Drama, das daraus entstanden ist, konntest du nichts. Niemand wird mehr unnachahmlich Streicheleinheiten einfordern, in Bad und Küche im Weg liegen, bei Spaziergängen abhanden kommen, uns beim Heimkommen laut bellend begrüßen, unser Bett mit Hundehaaren füllen, während du dich so dicht an uns drängst, das wir selbst kaum noch Platz finden. Jeder Schritt im Haus, den wir bislang immer gemeinsam gegangen sind, jede deiner Gewohnheiten, jeder Spaziergang auf all den Wegen, die wir immer zu dritt gegangen sind, wird uns an dich erinnern. Deine Schwester ist anders, wenn auch ebenso einzigartig. Sie kann und will dich nicht ersetzen. Denn gemeinsam wart ihr ein unzertrennliches Rudel, das jetzt auseinander gerissen wurde. Auch Ginja wird uns immer an unsere gemeinsamen Jahre erinnern. Alles ist anders ohne dich! Jetzt ist auch Ginja alleine und wir müssen unser Rudel erst neu finden. Danke Domino, das du bei uns warst und wir dich unseren Hund nennen durften. Danke für deine so selbstverständliche, selbstlose Hingabe an uns. Danke für dein Vertrauen zu uns, mit dem du alles ertragen hast, was wir für dich entscheiden mussten. Wenn wir nur mehr Zeit zusammen gehabt hätten. Aber die 7 Jahre, 7 Monate und 5 Tage lang hattest du ein gutes Hundeleben, ein festes Rudel, in dem du Zuhause warst sowie alle Fürsorge und Zuwendung, die du brauchtest. Und alles hast du uns doppelt und dreifach vergolten. Das war dir genug und daher sollte es auch uns genügen. Wir haben dich über die Maßen geliebt. Genau so, wie du uns geliebt hast. Und diese Liebe wird allen Schmerz überdauern!

Domino, leb wohl. In unserer Erinnerung wirst du ewig leben.

Jetzt bist du im immerwährenden Frühling auf deinen Wiesen und kannst von dort aus über uns wachen.

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(c) 2008 Gregor Jonas
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