Domino schreibt... (Teil 1: 2001)


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Ich will auch mal was sagen!

Hallo, ich bin der Domino.

Jetzt bin ich schon lange genug in die Hundeschule gegangen, um selber mal was schreiben zu können. Bis jetzt hat das ja immer mein Herrchen für mich gemacht.

Von früher weiß ich nicht mehr so viel. Da war ich noch ganz klein. Und da waren ganz viele andere Hunde. Mama und Papa, noch zwei große und ein halbwüchsiges Mädel. Die war wohl fast so alt, wie ich jetzt bin. Dann weiß ich noch, dass da ganz viele andere Wollknäuel waren, mit denen man toll spielen konnte. Herrchen sagt, dass ich noch 11 Geschwister habe. Leider habe ich überhaupt keine Ahnung, wo die jetzt alle wohnen.

Frauchen und Herrchen haben mich schon ganz früh ausgesucht, weil ich der Größte mit dem dicksten Pfoten gewesen bin. Deshalb ist Domino auch mein richtiger Name. Den durften die beiden nämlich selber aussuchen. In meinem Personalausweis steht "Domino von Quo Vadis". Wo das ist, haben mir Herrchen und Frauchen aber noch nicht verraten.

Die beiden haben mich ganz oft besucht, nachdem wir uns kennen gelernt hatten. Die sind dem Frauchen meiner Eltern bestimmt ganz gehörig auf die Nerven gegangen. Aber das war mir egal. Meistens hatte ich mit meinen Geschwistern sowieso viel mehr Spaß als mit diesen komischen Zweibeinern. Frauchen sagt, dass sie damals oft geglaubt hat, dass ich doch nicht der richtige Hund wäre, weil ich mich gar nicht um sie gekümmert habe. Aber da hatte ich ja auch noch keine Vorstellung davon, was die von mir gewollt hat. Und dann haben die beiden auch noch so ein Drama wegen meinen Zähnen gemacht. Mir fällt das gar nicht auf und stören tut das auch nicht, aber Frauchen hat ganz viele Leute gefragt, ob es schlimm wäre, wenn mein Unterkiefer zu kurz ist. Und die haben alle gesagt, sie soll mich ja bei meiner Familie lassen. Aber zu ihrem Glück (und zu meinem auch), hat sie mich dann doch genommen.

So bin ich dann zum ersten Mal in so einer komischen stinkenden Blechschachtel mitgefahren. Dabei durfte ich bei meinem neuen Frauchen auf dem Schoß sitzen und sie hat mich die ganze Zeit gekrault. Das war schön. Dann sind wir irgendwo ausgestiegen und Herrchen hat mir gesagt, dass ich jetzt hier zu Hause sei. Dabei hat er mich ausgerechnet auf den Rasen gesetzt. Inzwischen weiß ich, dass ich nur Pipi machen sollte. Aber damals habe ich blöd aus meinem Teddyfell geschaut.

Dann durfte ich ins Haus rein. Das hat ganz komisch gerochen. Nicht wie da, wo ich herkam. Wo es nach Hund roch und nach kleinen Zweibeinern. Hier war etwas ganz anders. Jetzt weiß ich, dass es nach meiner Freundin Chelsea roch. Das ist Herrchens Katze. Ich wollte gleich mit ihr spielen, aber sie ist immer nur weggelaufen.

Und da war noch etwas komisch. Frauchen und Herrchen haben mich ganz oft nach draußen auf den Rasen geschleppt. Dann wollte ich mit ihnen spielen. Es hat ziemlich lange gedauert, bis mir klar geworden ist, was die wirklich von mir wollten. Jetzt bin ich ja schon groß und weiß, was sich gehört.

Am nächsten Tag hat mir Herrchen so eine komische Schlinge um den Hals gebunden. Da hab ich mich wie wild gewehrt, weil ich geglaubt habe, er will mich aufhängen. Dann hat er sie schnell wieder abgemacht. Am nächsten Tag hat er das aber wieder gemacht. Ich meine, die Schlinge umgelegt, nicht aufgehängt. Er hat mir ganz lieb erklärt, das alle Hunde so was haben und das er ohne das Ding nicht mit mir spazieren gehen kann. Aber das war gelogen. Heutzutage gehen wir ja auch ohne. Aber das wusste ich da noch nicht. Also habe ich mich wohl oder übel daran gewöhnt.

Gar nicht viele Tage später sind wir wieder in die komische rote Blechdose gestiegen. Zuerst habe ich Angst gehabt, dass die mich wieder zurückbringen. Wo ich mich doch gerade an die zwei zu gewöhnen begonnen hatte (Gut, die ewige Schlepperei nach draußen war schon lästig, aber es gibt Schlimmeres, oder?). Als wir dann wieder ausgestiegen sind, waren da aber noch viele andere Welpen. Da durfte ich spielen, bis ich nicht mehr konnte.

In die Hundeschule sind wir seitdem immer regelmäßig gefahren. Außer, wenn wir im Urlaub waren. Aber da gab es andere interessante Sachen zu tun. In der Hundeschule habe ich aber nicht nur mit den anderen Welpen gespielt. Auch Frauchen und Herrchen haben ganz abgefahrene Spiele erfunden. Die heißen sitz und platz und was weiß ich noch. Das ist ganz lustig, weil dann immer Leckerchen verteilt werden. Aber wer schon hat immer Lust auf spielen?

Jetzt bin ich schon in der Junghundegruppe und habe viele Freunde. Manche sind auch aus der Nachbarschaft. Am liebsten habe ich ja die Ronja. Ronja ist ein schwarzes Labradormädel und läßt sich mit Vorliebe am Fell ziehen. Ronja war schon beim ersten Besuch der Welpengruppe dabei.

Dann gibt es noch die Gina. Gina hat immer ganz lieb mit mir gespielt, als ich noch klein war. Leider ist Gina schon 6 Jahre alt. Und weil sie auch zu meiner Rasse gehört, ist sie inzwischen nicht mehr so zum spielen aufgelegt. Aber ich besuche sie oft und dann gehen wir zusammen spazieren.

Vor kurzem habe ich Anton kennen gelernt. Anton ist etwa ein halbes Jahr älter als ich. Wenn wir nebeneinander herlaufen, kann man uns kaum auseinander halten. Er hat eine breitere Brust als ich und einen dickeren Schädel. Und Frauchen hört nicht auf, Antons große Füße zu bewundern. Ich hab ja auch dicke Pfoten, Aber Anton... Herrchen versucht dann immer, Frauchen zu trösten. Ich sei ja erst 9 Monate alt und würde noch wachsen. Dabei bin ich jetzt schon zu groß (74 cm). Was für ein unsinniges Thema. Damals war ich der größte unter meinen Geschwistern und genau darum haben Frauchen und Herrchen mich ja ausgesucht. Da dürfen sie sich jetzt ja wohl nicht beschweren, oder?

Herrchen ist ja so ein ganz lieber. Wenn er Zeit hat (was bedeutet eigentlich "Beamter"?), geht er mit mir spazieren, obwohl er immer gesagt hat, dass er das nicht macht . Außerdem hat er mir hier auf seiner Seite einen schönen Platz eingeräumt. Aber ich bin ganz neidisch auf die vielen Freunde im Netz, die ganz eigene Seiten haben. Herrchen weigert sich aber noch, mir eine ganz eigene Seite zu machen. Er sagt immer, ich habe mich hier so breit gemacht, dass das sowieso inzwischen meine Seite sei.

Ich sollte noch von meinen Hobbys erzählen. Natürlich schmuse ich gerne mit Frauchen und Herrchen. Ob die wollen oder nicht. Manchmal muss ich sie halt zu ihrem Glück zwingen. Dann natürlich mit den beiden spazieren gehen und viele Freunde treffen. Von der Hundeschule habe ich ja schon erzählt. Was ich auch gerne mache, ist das anknabbern von allem, was hart ist. Plastikknöpfe, Enden von Schnürsenkeln, Kleiderbügel und so weiter. Wenn nichts da ist, nehme ich gerne auch Klopapier, Küchenrolle oder eine Zeitung. Ich verstehe gar nicht, warum Frauchen und Herrchen manchmal schimpfen, wenn sie nach Hause komme. Wo ich doch immer auf ihre Schuhe aufpasse. Leider hängen jetzt viel seltener Jacken an der Garderobe. Und wenn, sind gar keine Knöpfe oder Reißverschlussnippel mehr dran. Das ist doch langweilig! 

Dann habe ich gelernt, wie man Türen aufmacht. Da konnte ich im Wohnzimmer oder der Küche spielen. Aber das hat meinen Menschen auch nicht gefallen. Dabei wollen die doch immer, das ich was neues lerne. Die haben einfach die Türen abgeschlossen. Ich habe natürlich trotzdem versucht, reinzukommen. Hat aber nicht geklappt. Dafür sehen jetzt die Türen aus, ihr glaubt es kaum! Frauchen und Herrchen haben wieder geschimpft. Dabei wollte ich doch nur noch mehr lernen.

Bald fahren wir drei wieder in Urlaub. Dann kann ich wieder was erzählen.

Und das schönste ist, dass unser Haustiger zu Hause bleiben muss. Dann habe ich Frauchen und Herrchen ganz für mich alleine!

Bis bald

Euer Domino

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