Berg-, Hof und Grosse Sennenhunde


Diese Gruppe ähnelt im Körperbau der ersten, ihre Aufgaben bezogen sich zunächst auch auf den tierischen, später oft nur noch auf den menschlichen und höfischen Bereich. Ihre Eigenschaften sind aber weniger extrem. Sie stammen von der historischen Gruppe der Haus- und Hof-Wachhunde ab. Dazu zählen meist sehr grosse Hunde (60 bis 80 Zentimeter, 35 bis über 80 Kilo beim Bernhardiner), die einen starken Körperbau besitzen, mehr oder minder schwerfällig sind, also im Vergleich zu Hütehunden keine Bewegungsnotoriker. Ihr Kopf ist mächtig, der Stirnabsatz deutlich. Hängeohren haben sie alle.

Auch sie brauchen Menschen- und Tierprägung. Ihr Wach- und Schutztrieb wie vor allem Familiensinn ist ausgeprägt, im Gegenteil zum Jagdtrieb, der unterentwickelt ist. Sie beanspruchen wegen ihrer Grösse viel Platz. Zu dieser Gruppe gehören: Hovawart (altdeutsch für Hofwart), Bernhardiner, Berner und Grosser Schweizer Sennenhund, Neufundländer, Landseer, Leonberger, Moskauer Wachhund (Owtscharka mal Bernhardiner). Im Gegensatz zu früher gehört heute der Pyrenäenberghund eher zu dieser Gruppe als zur ersten. Einige der eben genannten Rassen rekrutierten sich auch aus diesem "Stammvater".

Quasi ein "Bindeglied" zur ersten Gruppe der Herdenschutzhunde ist der Moskauer Wachhund: Er ist eine bekannte Owtscharka-Kreuzung, in die Bernhardiner "eingingen", um einen molossiden Hundetyp mit "stadttauglicherem" Charakter als den des Herdenschutzhundes zu erhalten. Die "Moskauer" sind an den grossen weissen Flecken beziehungsweise an der typischen Zeichnung des Bernhardiners zu erkennen.

Über die Zuchtqualiät dieser Hunde, und vor allem über die Beweggründe, einen Mix aus diesen beiden Typen zu ziehen und dann als Rasse zu erklären, darf mit Fug und Recht gerätselt werden. Man darf sich aus beiden Ausgangs-Rassen eine Mischung aus Eigenschaften und Ausmaße vorstellen. Mix as mix can.

Nun zu den Schweizer Sennenhunden. Warum die Eidgenossen einen Narren an gleich drei ihrer fünf Rassen (die beiden deutlich kleineren Typen Entlebucher und Appenzeller folgen in der Gruppe der Treiber und Schäferhunde) gefunden haben und sonst kein Land - die Österreicher haben auch Almhütten und Senner), bleibt uns wohl verschlossen. Allein, es ist so, dass die Schweizer gleich drei grosse Vertreter geschaffen haben.

Die phäno- und auch genotypische Verwandtschaft zu den früheren Molossern ist unübersehbar.

Der heute Populärste ist - neben dem Bernhardiner - der Berner Sennenhund.
Von Sabine Danks
"Bernies" werden gern als besonders familienfreundlich und leichtführig vermarktet. Es sind auf jeden Fall wünschenswerte Eigenschaften, wenn man einen so grossen Hund in einer Familie haben möchte. Leider wird beim Erwerb viel zuviel auf die optische Erscheinung, vor allem markante Abzeichen, Wert gelegt.

Was natürlich die vielen Züchter - egal ob in den Rassehundvereinen oder "Hobby"züchter - dazu verleitet, genau auf diese äusserlichen Merkmale mehr Augenmerk zu richten als auf die Charaktereigenschaften. Es soll sogar mal soweit geführt haben, dass versucht wurde, das weisse Brustabzeichen in Form eines Schweizer Kreuzes zu züchten.

Nach meinen Informationen wurden die Standards für das äussere Erscheinungsbild Anfang des letzten Jahrhunderts festgelegt. In den 40er Jahren wurde eine Neufundländerin (anscheinend ein einmaliger Vorgang) eingekreuzt. Das scheint aber gereicht zu haben, um zu erklären, dass Berner sehr gern schwimmen. Der Typ ist inzwischen grösser gezüchtet worden mit allen gesundheitlichen Nachteilen, die so etwas für alle grossen Rassen mit sich bringt. (Siehe auch Gegenüberstellung des Urtyps "Dürrbächler" gegen den modernen Berner im Foto.)


Die Charaktereigenschaften resultieren aus seinem Ursprung als Multitalent, bei Bauern als Hüte-, Wach- und Zughund eingesetzt. Dabei sollte er selbständig und ohne Beaufsichtigung seine Arbeiten tun und auch nicht "stören". Letzteres bedeutet, dass er vor allem keine anderen Tiere jagen durfte, weder die Nutz- noch die Wildtiere. Die Herkunft dieser Bauernhunde ist meines Wissens unklar.

Es wurde zwar die Theorie aufgestellt, dass es sich um Molosser-Varianten handeln würde. Der schweizerische EX-FCI-Rassehundekommissär Hans Räber bezweifelt diese Theorie, da sie sich nicht beweisen lasse. Aber die körperbauliche Verwandtschaft zu Molossern ist nicht zu verleugnen.

Auf die äussere Erscheinung wurde wie bei allen Arbeitshunden ursprünglich kein Wert gelegt. Sie variierte lokal sehr stark in der Region um Bern. Wichtig waren nur die Arbeitseigenschaften der Hunde, eine gewisse Robustheit und damit eine Pflegeleichtigkeit. Es gab eine recht drastische Zuchtauslese, und schlimmstenfalls fanden sich zum Beispiel "Streuner sauer eingelegt" im Einmachglas als Wintervorrat für die schweizerischen Zweibeiner wieder.

Es fand sich damals (um 1900) kein Rassename für diese Hunde, aber sie wurden oft über einen bestimmten Ort identifiziert, wo besonders schöne und/oder gebrauchsfähige Vertreter gezüchtet wurden. In einem solchen Ort namens Dürrbach kamen die Ur-Berner vor, die dort von einem Wirt gezüchtet und verkauft wurden. Züchten bedeutet in diesem Fall natürlich Vermehren dieses speziellen lokalen Schlages. Sie hiessen damals Dürrbachhunde oder Dürrbächler. Aus diesem lokalen Schlag, zusammen mit dazugekauften Hunden aus anderen Orten, die diesem Typ entsprechen, wurde dann eine der vier Sennenhundrassen (Berner, Grosser Schweizer, Appenzeller und Entlebucher), wobei der Berner der einzige langhaarige Vertreter ist. 1913 wurde er schliesslich auf Betreiber der Schweizer Kynologischen Gesellschaft (SKG) zum "Berner Sennenhund".

Die Nachfahren dieser Dürrbächler haben sich eine gewisse Eigenständigkeit bewahren können, die oft als Dickköpfigkeit bezeichnet wird. Wenn sie in einer ihnen zugeteilten Aufgabe keinen Sinn erkennen können, wird sie auch kein Leckerli dazu bringen, diese Arbeit auszuführen. Sie sind immer noch wachsam, ohne dass es dazu eines besonderen Trainings bedarf. In gewissen Maße kann man diese Wachsamkeit sicher steuern, aber sie fühlen sich verpflichtet, ungewöhnliche Vorkommnisse zu melden.

Aus diesem Grund ist die Haltung eines Berners in einem Mehrfamilienhaus etwas problematisch. Ein Eindringling wird nicht durch Bisse attackiert sondern lediglich an die Wand gestellt. Ein Haus mit Garten ist sicher kein Muss, aber für den Hund ist es schon mal eine Möglichkeit, sich artgerecht zu beschäftigen, nämlich zu bestimmten Zeiten Patrouillen zu drehen, ob auch alles seine Ordnung hat. Trotz ihrer Selbständigkeit sind Berner sehr menschenbezogen und möchten als ehemalige Auch-Hütehunde ihre Truppe gern beieinanderbehalten, egal ob diese Truppe aus Menschen oder Mithunden besteht.

Wenn sich auf Spaziergängen ein Familienmitglied absondert, wird er durch Anstupsen wieder in die richtige Richtung dirigiert. Zu dieser Kombination aus Selbständigkeit, Wachsamkeit und Menschenbezogenheit kommt noch eine gute Verträglichkeit mit anderen Tieren, egal ob andere Hunde oder Nutztiere und mangelnder Jagdtrieb. Das alles macht ihn für Leute, die gern grosse Hunde haben, tatsächlich zu einem guten Gesellschafter.

Alles natürlich unter der Voraussetzung, dass man einen physisch und psychisch gesunden Hund hat und diese ererbten Eigenschaften fördert. Es ist beim Berner nicht anders als bei allen anderen Hunden auch: wenn man in der Erziehung alles falsch macht, was man nur falsch machen kann, werden diese Eigenschaften Wachsamkeit und Selbständigkeit für die Besitzer keine Bereicherung im Zusammenleben mit dem Hund sein, sondern zu einem nicht ungefährlichen Problem werden. Es gibt wie unter allen Hunden auch Berner, die andere Hunde und auch Menschen attackieren, es gibt Berner, die streunen und sogar wildern.

Wie weit ein zu beobachtendes "Aufweichen" der positiven Wesensmerkmale an Erziehung oder an einer Tendenz zur Massenzucht liegt, kann ich nicht beurteilen. Fest steht nur, dass zuchtbedingte Krankheiten wie zum Beispiel HD oder Krebs in den letzten Jahren drastisch zugenommen haben. Ein Phänomen, dass sich sicher leichter zuordnen lässt."

So weit Sabine Danks.

Der Berner wurde mit den Jahren immer größer und damit auch schwerer. Eine Veränderung ins bernhardinerhafte, die seiner Gesundheit nicht zuträglich war und ist. Hoffentlich verbessern strengere Zuchtmassstäbe als bisher die Lebenserwartung dieses populären Hundes auf ein vergleichbares Mass.

Da hat es der wesentlich unbekanntere Grosse Schweizer Sennenhund (GSS) glücklicher getroffen. Er ist einfach nicht so gefragt. Bei ihm sieht man auch deutlicher die molosside Verwandtschaft. Der GSS hat sich vermutlich weniger verändert als der Berner.

Der GSS hat zwar kurzes Deckhaar, aber bei gesunder Haltung eine dichte Unterwolle. Die Rute ist auch etwas kürzer als beim Berner.

Beide Hunde sind - heute - etwa gleich schwer und gross: Hündinnen zwischen 60 und 65 Zentimeter, Rüden zwischen 65 und 70 oder etwas darüber. Gewicht real zwischen 35 und 60 Kilo, wobei bei dieser Grenze weniger gesünder wäre.

Der berühmteste Schweizer auf vier Beinen war ein Bernhardiner: Barry. Wer kennt als Hundefreund nicht das Rumfass mit dem Hund dran, im Hintergrund das Hospiz Sankt Bernhard. Dort wuchs er auf, der berühmteste Menschenretter. Der Sage nach soll Barry der I. zwischen 1800 und 1812 (ein Lebensalter, das heute kein Nachfahre erreichen dürfte) 40 Menschen gerettet haben vor Verschüttungen.

Schon im 17. Jahrhundert wurde von den grossen Hunden berichtet. Man kann darüber spekulieren, ob die Römer vor mehr als tausend Jahren und später Händler Molosser-artige Hunde in die Alpen brachten. Ausschliessen kann man es noch weniger. Denn Molosser kamen durch die Seefahrer der grossen Nationen damals überall mit. Daraus entstanden dann bodenständige Typen. Beweisen kann man es nicht. Plausibel ist auch die Vermutung, dass es im mitteleuropäischen Bereich immer schon auch grosse Hunde gegeben haben kann. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts begannen die Schweizer mit der Reinzucht.

Heute wäre das nicht an der Charakter-Eigenschaft (die hat sich kaum geändert) gescheitert, aber am Gewicht. Der Ur-Bernhardiner wog damals sicherlich nicht mehr als 40 Kilo. Heute wiegen Bernhardiner (die es in Kurz- und Langhaar- Varietät gibt, früher gab es auch Stockhaar) das Doppelte. Sie wurde denn auch immer grösser, Hündinnen von 65 bis 75, Rüden von 70 bis 85 Zentimeter. Gewichte zwischen 60 und 90 Kilo. Folge: Gelenk- und Knochen-Probleme buchstäblich en masse.

Leider wurde auch die Köpfe, so barock sie auch aussehen mögen, fast ungesund mächtig - schon bei der Geburt. Hängeaugen sind die Folge.

Der Alpen-Mastiff vom Sankt-Bernhard-Kloster und seine Nachfolger brachten es auch in den USA zu Berühmtheit - im Kino, wo sonst? Der entzückende Film mit den treppen-herabbollernden Riesenbabies vom langhaarigen "Beethoven" und seiner kurzhaarigen Bernhardiner-Freundin lassen uns heute noch lachen.

Der Film zeigte aber auch, dass die Sennenhunde bei Einfühlungsvermögen und ohne Druck schnell lernen - wenn sie wollen. Der Dickkopf passt zum dicken Kopf.

Allen drei grossen schweizerischen Bergbauern-Hunden sind jene körperlichen und geistigen Eigenschaften ähnlich wie den Rassen, die vom Bernhardiner oder auch vom verwandten Pyrenäenberghund herausgezüchtet wurden.

Wie der Leonberger.

Auch hier entspricht der Rassename dem Ort seiner Entstehung. Ein Heinrich Essig wurde in der württembergischen Stadt Leonberg zum Schöpfer des Hundes. Was ihn dazu trieb, einen Hund aus bestehenden Rassen zu mixen, der dem Ebenbild eines Löwen gleichkam? Man kann spöttisch sagen: der Hund hat selbst heute so viel Ähnlichkeit mit einem Löwen wie ein Löwchen, einer der Kleinhunde. Aus einem Hund wird man keinen Löwen machen. Essig muss nicht viel über Löwen, vor allem über deren Farbe, gewusst haben.

Die ersten Leonberger waren nämlich auch silberfarben. Es gab aber, als Essig seine erste Schöpfung 1846 eintragen liess, bereits prominente Interessenten an dieser neuen imposanten Rasse. Darunter Kaiserin Sisi. Sie orderte gleich sieben - zu ihren vielen anderen dazu. Die grosse Hundefreundin Elisabeth von Österreich machte Reklame für die Leonberger an anderen Herrscherhäusern. Heute würde man dies als professionelles Product-Placement beneiden.

Aber heute würden diese Hunde nicht mal durch eine Rasse-Ankörung, geschweige denn Show kommen, denn ihre Farbe wäre nicht erwünscht. Mit der Zeit kamen die Freunde dieser Hunde darauf, eben den löwenfarbenen Leonberger zu bevorzugen, wobei Löwen keine schwarzen Masken tragen... Aber majestätisch sehen sie aus.

Sie hatten es damals schwer, die Züchter. Die Bernhardinerfreunde verspotteten sie: "Was man nicht definieren kann, das sieht man gut als Leonberger an." Die vornehmliche Herkunft der Zuchtbasis ist damit auch klar.

Das ist Vergangenheit. Der Spott hat sich gelegt, die Hunde bleiben die stattlichen Tiere im beweglicheren Bernhardiner-Format (Grösse und Gewicht zwischen Berner und Bernhardiner). Aber auch das Temperament der meisten Leos liegt zwischen beiden Schweizern.

In der Sorge vor Übergewicht auf ein erträgliches Gewicht achtend, könnten heute eher die Leo-Freunde über die Sumo-Bernhardiner-Züchter spotten. Man sieht nicht viele Leos. Das kommt vielleicht der Zuchtqualität und Gesundheit zugute.

Nahe Verwandte sind die Übersee-Typen Neufundländer und Landseer.

Dazu zwei Legenden. Der Neufundländer (von der kanadischen Insel Newfoundland) stamme aus einheimischen Hunden und dem grossen schwarzen Bärenhund ab, den die Vikinger um 1 100 eingeführt haben sollen. Fischer aus Europa brachten ihre Hunde "ein", aber die Eigenschaften des Arbeitens als Wasser-, Rettungs- und Zughund (auch für Fischernetze) blieben erhalten. Die widrigen klimatischen Verhältnisse erforderten wasserabweisendes dickes Fell bei dichter Unterwolle.

Der Neufi hat nach neuerem Standard von 1996 durchschnittlich als Rüde 71 Zentimeter (Hündinnen 66) hoch zu sein, grösser darf er sein, "nicht zu Lasten der Gesundheit und des einwandfreien Bewegungsablaufs". Liest sich vernünftig. Das Gewicht hat in diesem Rahmen 68 Kilo zu betragen. Man hat ihn also kleiner gezogen. Aber das Gewicht belassen.

Beim Neufundländer gibt es neuerdings neben den bekannten Farben schwarz und braun (schokoladefarben bis bronce) auch wieder "weiss-schwarz". Diese Farbe ist laut Standard "von historischer Bedeutung". Warum auch immer. Über die exakt aufgeführten Blessen und Zeichnung möchte ich mich hier nicht auslassen.

Es scheint aber schwer zu sein, eine Abgrenzung zum Landseer zu formulieren. Denn der weiss-schwarz-gefleckte ist eine Farb-Variante des Neufi, mit nicht so dicker Unterwolle. Aber er wurde immer schon als der etwas hochläufigere Typ herausgestellt. Die Standardisierer achten streng auf farbliche Abgrenzung bestimmter Körperpartien zum s/w-Neufi. Die Abgrenzung hat - freilich wie bei den meisten Rassestandards - schon komisch-semantische Seiten: "Grundfarbe des Haares ist ein klares Weiss mit zerrissenen schwarzen Platten auf der Rumpf- und Kreuppenpartie. Der Hals, die Vorbrust, der Bauch, die Läufe und die Rute müssen weiss sein. Der Kopf ist schwarz."

Und er bekam auch seine Legende. Die eines Hundes, der aus Neufundland nach England kam. Die Landseer-Freunde deuten nun die Herkunft ihres Hundes so: Die Portugiesen, Basken, Spanier hatten ihre Fischgründe auch vor Newfoundland. "Wahrscheinlich hatten sie zum Schutz vor Bären und Wölfen den grossen Hirtenhund ihrer Heimat, den weissen Berghund aus den Pyrenäen mitgebracht. Beweise gibt es dafür nicht, aber die Ähnlichkeit im Typ zwischen dem Landseer und dem Pyrenäenberghund ist nicht zu übersehen."


Der erste Landseer

Da stimmt schon. Und die zum Mastin de los Pirineo auch nicht. Und die zum weiss-schwarzen Neufundländer auch nicht. Die Grösse und Figur deckt sich mit diesen Hunden. Rüden zwischen 72 und 80 Zentimeter, Hündinnen zwischen 67 und 72.

Fast hätte der bekanntere schwarze Neufi den Landseer verdrängt, bei den Europäern.

Und da gibt es noch eine Legende: die des Namensgebers. Der Maler Sir Edwin Landseer lebte von 1802 bis 1873. Er zeichnete mit Vorliebe Hundedarstellungen. Aber die Behauptung, dass er diese Hunde gezüchtet habe, die ist irrig. Er hat sie nur gemalt und in Europa auf vielen Kunstausstellungen bekannt gemacht. Vorher hiessen sie - um die Verwirrung aber auch die Nähe zwischen Neufundländer und Landseer komplett zu machen - "Newfoundland Dog".

Ihre Wasserfreude ist auch Legende. Nicht selten hört man die Geschichten, dass sich Leos und Neufis in jede Pfütze werfen. Riesenwasserratten. Man mag aber nicht mehr jene zurückgebildeten Schwimmhäute entdecken, die sie zwischen den Zehen haben sollen. Heute werden Neufundländer wieder als Wasserrettungshunde eingesetzt.

Der letzte dieser Gruppe hat mit diesen Hunden vermutlich wenig zu tun. Obwohl in Aufgabe und Konstitution diesen vergleichbar. Aber in der uns bekannten Form ist er eine Neuzüchtung aus alten Hofwachhunden des germanischen Mittelalters. Nur der Name ist mittelalterlich geblieben: Hovawart. Der Hofwärter ist von Kurt Friedrich Karl Koenig aus alten Schäferhunden und eben diesen "Resten" von alten Hofwarthunden gezüchtet worden. Und wer war da auch noch mit beteiligt, wenn auch eher in vereinstechnischer Form? Der Gründer des Deutschen Schäferhunds, Rittmeister v. Stephanitz. Koenig und v. Stephanitz lernten sich bei Vorträgen kennen. Das würde heute in keiner von beiden Vereinsversammlungen gut abgehen...

Doch in diesen frühen SV-Sitzungen wollte man die Ideen des Herrn Koenig mit seiner Vorstellung vom germanischen Hofhund nicht. 1924 wurde dann der "Hovawart-Verein für deutsche Schäferhunde in Thale/Harz" gegründet.

Die ersten neuen Hovawarte kann man auf das Jahr 1922 datieren.

Das Ende des ersten Weltkriegs überleben nur wenige der ersten durchgezüchteten Hunde.

Was heute noch durchschlägt, ist die durch konsequente Bekämpfung der HD doch stark reduzierte Gefahr der Vererbung dieser Krankheit. Schon 1965 hat sich der heute führende Rassezuchtverein für Hovawarthunde (RZV) und drei Jahre später auch in der damaligen DDR durch Zuchtverbote von verdächtigen Tieren durchgesetzt. Ergebnis: Im Vergleich zu anderen Rassen erstaunlich wenige HD- Befunde. Vor allem der Anteil an schwerer und mittlerer HD liegt in Relation zu anderen grossen Hunderassen sehr niedrig.

Die Züchter tun offensichtlich immer noch viel dazu - durch Zurückhaltung der Population, dass sich das nicht verschlechtert.

Dem ansehnlichen Hund (Rüden zwischen 65 und gut 70 Zentimeter; Hündinnen rund fünf Zentimeter kleiner; Gewicht zwischen 30 und 50 Kilo) tut dies gut. Die Farben des langhaarigen Hundes sind schwarz, schwarz-marken (schwarz mit lohfarbenen Zeichen) und hellbraun.


Hovawacht 1908 ...

... und heute

Im Gegensatz aber zu den vorgenannten Rassen eignet sich der Hovawart auch zur so genannten Schutzhunde- und Gebrauchshunde-Ausbildung.

Was neben dem Beschriebenen diese genannten neun Rassen einigt, ist auch der relativ geringe Jagdtrieb. Heute eine der vielen durchweg erfreulichen Eigenschaften dieser Hunde.

Lesen Sie auch: Die Einführung
Lesen Sie auch: Hauptteil 1
Lesen Sie auch: Hauptteil 2
Lesen Sie auch: Hauptteil 3
Lesen Sie auch: Hauptteil 4
Lesen Sie auch: Hauptteil 5
Lesen Sie auch: Hauptteil 6
Weitere Beschreibungen der einzelnen Gruppen im nächsten Update

 

Entnommen aus: www.hundezeitung.de

© Hundezeitung 2002


(c) Gregor Jonas 2004
http://www.gregor-jonas.de